Wechseljahre: Beschwerden ohne Hormone mildern

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Fuu J auf Unsplash
Lesezeit: 4 Minuten
So gehst du gegen deine Wechseljahresbeschwerden natürlich vor

Hitzewallungen, Knochenschwund, Demenz: Hormonpräparate sollen die Symptome der Wechseljahre lindern oder sogar komplett verschwinden lassen. Doch können diese Mittel nachgewiesenermaßen Herzinfarkte oder Krebs auslösen. Wie lassen sich die unangenehmen Begleiterscheinungen also auf sanftere Weise beseitigen? 

 

Wer in den Wechseljahren steckt, hat im schlimmsten Fall das Gefühl, im falschen Körper gefangen zu sein. Etwa zwei Drittel der Frauen leiden plötzlich unter starken emotionalen und körperlichen Beschwerden und sehen sich in ihrem täglichen Leben eingeschränkt. Für viele Frauen kommt jetzt nur eine Hormonersatztherapie mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination infrage. 

Diese Präparate sind allerdings dafür bekannt, dass sie das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle oder auch Thrombosen erhöhen. Natürlich sollte jeder Therapieform immer ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorangehen, um gemeinsam alle Vor‑ und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Es ist aber gut zu wissen, dass es nicht immer gleich die volle Hormondröhnung sein muss: Zum Glück gibt es auch sanftere Möglichkeiten, um den Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen den Kampf anzusagen.

Natürliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden

Eine gute und beliebte Alternative zur hormonellen Behandlung ist die Phytotherapie. Hierbei werden pflanzliche Substanzen wie Isoflavone eingenommen, da sie östrogenähnliche Eigenschaften aufweisen. Besonders hilfreich sind sie bei Hitzewallungen oder Herzrasen. Ähnliches gilt für Mönchspfeffer, Rotklee oder Traubensilberkerze – eingenommen werden diese natürlichen Helfer als Tabletten oder in Teeform.

Phytoöstrogene sind übrigens auch in Sojabohnen, Erdnüssen, Leinsamen, Hülsenfrüchten, Knoblauch, Spargel und Haferflocken enthalten. Wer unter Wechseljahresbeschwerden leidet, ist als gut damit beraten, diese Nahrungsmittel in die tägliche Ernährung zu integrieren. 

Ebenfalls empfehlenswert ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), deren Ursprung schon im 1. Jahrtausend vor Christus liegt. Mit ihren über Jahrtausende hinweg tradierten und sich aber immer auch weiterentwickelnden Heilverfahren erfreut sich die TCM nicht nur bei Wechseljahresbeschwerden größter Beliebtheit, sondern eignet sich auch allgemein zur Steigerung des Wohlbefindens. Körper, Geist und Seele sollen in Einklang gebracht werden. Wer das einmal ausprobieren möchte, sollte die TCM beim nächsten Arztbesuch unbedingt einmal ansprechen. 

Wechseljahresbeschwerden natürlich & gezielt behandeln

 

Was hilft bei Muskelschmerzen oder ‑schwund?

Die beste Medizin gegen körperliche Beschwerden dieser Art sind Sport und Bewegung an der frischen Luft. Yoga oder Aquafitness regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und die Bewegungsfähigkeit. Schöner Nebeneffekt: Wer sich regelmäßig viel bewegt, schläft auch besser. 

 

Was kann man gegen Stimmungsschwankungen tun?

Bei Stimmungsschwankungen kann die Yamswurzel behilflich sein. Die Wurzelknolle, die in tropischen Gebieten und in Mittel- und Südamerika sowie in Asien verbreitet ist, ähnelt einer Süßkartoffel und enthält Diosgenin. Diosgenin ist eine Vorstufe von natürlichem Progesteron. Eingenommen wird die Wurzel als Kapsel, Pulver oder in Form einer Salbe. Doch Vorsicht: Bei langfristiger Einnahme kann Yamswurzel zu Müdigkeit oder Hautrötungen führen. 

 

Was hilft gegen depressive Verstimmungen?

Besteht der Verdacht auf eine depressive Verstimmung, gilt es stets, zunächst eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen und die weitere Behandlung abzuklären. Bei einer echten Depression ist die professionelle Behandlung durch einen Psychotherapeuten, gegebenenfalls auch – zumindest zeitweise – mit entsprechender medikamentöser Unterstützung, unbedingt notwendig. Hierbei handelt es sich um eine echte Krankheit, die unbedingt behandelt werden muss. Aber auch bei depressiven Verstimmungen kann es hilfreich sein, sich von einem Profi helfen zu lassen. Oftmals reicht es hier jedoch auch schon aus, ehrlich zu sich selbst zu sein und offen mit den Beschwerden umzugehen, statt sich in sein Schneckenhaus zurückzuziehen. Der ehrliche Austausch mit einer Vertrauensperson kann schon viel bewirken. Sollte die Ärztin oder der Arzt leichte Symptome feststellen, kann auch über die Einnahme von Johanniskraut nachgedacht werden. Viel frische Luft und Bewegung helfen ebenfalls aus dem Stimmungstief. 

 

Was kann ich tun, um mein Sexleben wieder zu aktivieren? 

Entgegen aller Behauptungen, die Libido würde mit den Wechseljahren vollkommen einschlafen, sind es meist eher Scheidentrockenheit und eine erhöhte Gefahr für Infektionskrankheiten, die die Lust trüben. Dagegen kann man etwas unternehmen! Gleitmittel und -cremes verhindern Reizungen und bringen den Spaß am Sex zurück. Eine gesteigerte Hygiene verhindert unter anderem Scheidenpilz. 

Was kann ich bei Schlafstörungen tun?

Bei Schlafstörungen werden natürliche Hausmittel wie Baldrian, Hopfen, Melisse oder Passionsblume empfohlen. Zudem empfiehlt es sich, in den Wechseljahren besonders auf die Ernährung zu achten und eine Umstellung vorzunehmen. Aufgrund des erhöhten Eisenmangels (gerade zu Beginn kann es zu starken Blutungen kommen) gehören grünes Blattgemüse, Leinsamen und Rindfleisch auf den Speiseplan. 

 

Was hilft bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen?

Hitzewallungen und Schweißausbrüche können nervig und unangenehm sein. Zum einen kann es bereits helfen, wenn die Kleidung nicht zu enganliegend ist oder aus Stoffen besteht, die Schweiß und Gerüche sofort in sich aufnehmen. Und dann gibt es da noch die Traubensilberkerze – eine aus der Medizin der nordamerikanischen Urbevölkerung bekannte Heilpflanze mit östrogenähnlichen Eigenschaften. Präparate auf Traubensilberkerzenbasis werden schon lange gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche eingesetzt und sollen sich außerdem auch positiv auf die Schlafqualität und die Psyche auswirken. 

Allerdings sind auch pflanzliche Präparate nicht ohne Nebenwirkungen. Daher wird empfohlen, Medikamente mit Traubensilberkerze nicht länger als drei Monate am Stück einzunehmen. Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen Magen- und Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Leberschädigungen. 

 

Was hilft bei starkem Spannungsgefühl in der Brust?

Wer Spannungen in der Brust spürt, kann mit Mönchspfeffer dagegen vorgehen. Durch die Einnahme wird die Produktion von Prolaktin gehemmt – ein Stoff, der die Schmerzen verursachen kann. Mönchspfeffer gilt als eine milde und gute Behandlungsalternative zu Hormonen. Nur wenige Frauen beschrieben nach der Einnahme Kopfschmerzen und Hautausschläge. 

Beschwerden während der Wechseljahre: Fühl dich (wieder) gut!

Es gibt also einige Möglichkeiten, um sich während der Wechseljahre wieder besser zu fühlen und die Symptome zu mildern. Jedoch darf man nicht vergessen: Jedes Medikament, das eine Wirkung hat, kann auch Nebenwirkungen haben. Das gilt auch für natürliche und pflanzliche Präparate. Aus diesem Grund sollte sich niemand selbst medikamentieren, sondern jede Einnahme eingehend überprüfen und abklären lassen. Bei der Kombination verschiedener Mittel kann es auch zu sogenannten Wechselwirkungen kommen, die im Zweifel alles nur noch schlimmer werden lassen.  

Weiterhin sollte nicht vergessen werden, dass die Wechseljahre und die Menopause etwas ganz Natürliches sind. Es handelt sich um eine Lebensphase – nicht um eine Krankheit, die dringend bekämpft werden muss. Wer gelassen und entspannt an die Sache herangeht, sich mehr Achtsamkeit schenkt und den eigenen Lebensstil ein klein wenig anpasst, schafft es mit einer positiven Einstellung vielleicht sogar ohne Medikamente, diese umwälzende Phase des Lebens durchzustehen.

 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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