Gehören Tampons und Binden bald der Vergangenheit an?

Words by Arzu Gül
Photography: Ava Sol via Unsplash
Frau hält halbe Paprika vor Intimbereich als Zeichen von Weiblichkeit

Herkömmliche Periodenprodukte, wie Tampons und Binden, sind immer öfter der Kritik ausgesetzt: Sie verschmutzen die Umwelt, verursachen täglich Tausende Tonnen Müll und sollen auch noch die Gesundheit gefährden. Doch wie stehen Frauen in Deutschland eigentlich zu wiederverwendbaren Menstruationsartikeln? Wir haben nachgefragt:

 

45 Milliarden Hygieneprodukte landen jährlich im Müll

Die Periode begleitet Frauen von ihrer Jugend bis ins mittlere Alter: Durchschnittlich 40 Jahre lang bestimmt sie Monat für Monat den natürlichen Zyklus des Körpers. Damit einher geht die regelmäßige Verwendung von Periodenprodukten. Zu den am häufigsten genutzten gehören dabei Slipeinlagen, Binden und Tampons. Was sie alle gemeinsam haben: Sie sind Einwegartikel, das heißt: Einmal verwendet, landen sie im Restmüll. Weltweit wandern so jährlich etwa 45 Milliarden Hygieneprodukte in der Tonne – und ihre Verpackungen müssen natürlich auch entsorgt werden. 

Woran viele im ersten Moment nicht denken: Periodenprodukte enthalten alle Plastik. Selbst Binden bestehen zum größten Teil aus Superabsorbern und Kunststoffen. Diese bestehen zum größten Teil aus Polyester, Polyethylen oder Polypropylen und werden zum Beispiel für eine bessere Gleitfähigkeit genutzt. Diese Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar. Sie brauchen in der Regel bis zu 500 Jahre, bis sie sich zersetzen – so landen sie täglich tonnenweise auf Mülldeponien und letztlich auch in Meeren und Flüssen.

Alternativen schonen Gesundheit und Geldbeutel

Aber herkömmliche Periodenprodukte schaden nicht nur der Natur. Rückstände von Weichmachern, Bleichmitteln und krebserregenden Stoffen, die bei der Herstellung verwendet werden, können in unseren Körpern landen und dort unsere Gesundheit gefährden.

Angesichts der aktuellen Klimadebatte und der dringend notwendigen Forderung nach mehr Nachhaltigkeit, gibt es inzwischen aber immer mehr Alternativen zu Binden, Tampons und Co.: Menstruationstassen oder waschbare Perioden-Unterwäsche sparen im Vergleich zu Wegwerftampons bis zu 60 Prozent, im Vergleich zu Binden etwa 90 Prozent der CO2-Emissionen ein. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel: Eine Menstruationstasse kostet im Schnitt etwa 15 bis 30 Euro und kann mehrere Jahre verwendet werden. Damit erübrigt sich während dieser Zeit der Kauf ziemlich vieler Hygieneprodukte.

Nur 11 Prozent der Frauen sind bereit auf Tampons & Co. zu verzichten

Doch wie steht es eigentlich um die Nutzung von alternativen Menstruationsprodukten in Deutschland? Haben Frauen hierzulande sogar Interesse daran, wiederverwendbare Periodenartikel zu nutzen, oder kommen diese für viele nicht gar nicht infrage? Wir haben gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey eine Umfrage zu Menstruationsprodukten durchgeführt und insgesamt 2.511 Frauen zu ihrer Meinung gefragt:

So kommt es für mehr als die Hälfte der deutschen Frauen (ca. 51 Prozent) aktuell noch nicht infrage, aus Umweltschutzgründen auf Tampons und Binden zu verzichten. Etwa jede zehnte Frau (ca. 11 Prozent) kann sich einen Umstieg aus Nachhaltigkeitsgründen vorstellen. Für rund 38 Prozent der Frauen ist das Thema generell nicht relevant oder nicht interessant.

Je jünger, desto höher die Bereitschaft

Es zeigt sich, dass insbesondere jüngere Frauen offen für Alternativen zu Tampons und Binden sind. So haben rund ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen und rund 23 Prozent der 30- bis 39-Jährigen angegeben, dass sie aus Umweltschutzgründen bereit wären, auf die herkömmlichen Produkte zu verzichten. Der größte Anteil derer, für die alternative Produkte keine Option darstellen, findet sich unter den 40- bis 49-Jährigen (ca. 65 Prozent). Aufgrund des höheren Alters ist hier eine geringere Relevanz der Periode nachvollziehbar. 

 

Auch wiederverwendbare Menstruationsprodukte, wie Menstruationstassen oder Periodenunterwäsche, finden den größten Anklang in der Zielgruppe der 18- bis 29-Jährigen (ca. 37 Prozent) und der 30- bis 39-jährigen (ca. 34 Prozent). Je jünger die Frau, desto höher offenbar die Bereitschaft und das Interesse, auf wiederverwendbare Hygieneartikel umzusteigen. 

Eine höhere Bereitschaft und Offenheit gegenüber alternativen Menstruationsprodukten korreliert übrigens auch mit unterschiedlichen Wahlpräferenzen. Wählerinnen der Grünen sind Alternativen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossener (ca. 30 Prozent) als Wählerinnen anderer Parteien (ca. 26 Prozent).

Obwohl das Gesamtinteresse in Deutschland aktuell noch überschaubar ist, nimmt die Debatte um alternative Menstruationsprodukte in Gesellschaft und Medien immer mehr zu. Der Umstieg kann viele Vorteile für die Umwelt, Gesundheit und eigene finanzielle Lage bringen, weshalb es sich lohnt, wiederverwendbare Menstruationsprodukte in Betracht zu ziehen.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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