So kannst Du mit einem neuen Haarschnitt Gutes tun

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Christopher Campbell auf Unsplash
Neuer Haarschnitt

Du möchtest eine neue Frisur? Manchmal geht es dabei viel weniger um den Wunsch nach einem völlig neuen Look, als um ein Gefühl der Befreiung. Doch ein neuer Schnitt kann noch mehr – nämlich mit einer Haarspende andere Menschen glücklich machen.

 

Gutes tun kann so einfach sein. Wer sich dazu entscheidet, seine Haare abschneiden zu lassen, kann die alten Zöpfe, die normalerweise ohne Umwege in den Mülleimer wandern, einfach spenden. Unter dem Hashtag #haarespenden finden sich unzählige Fotos von Mädchen und Frauen, die sich nicht nur für eine neue Frisur, sondern auch dazu entschieden haben, ihre Haare für einen guten Zweck abzugeben. Voraussetzung für eine Spende ist eine Länge von mindestens 25 Zentimetern. Grundsätzlich gilt, je gepflegter der Zustand, desto besser. Doch auch gefärbtes Haar kann gespendet werden.

Michelle M. gehört zu den Spenderinnen, die über das Internet von der Möglichkeit erfuhren: »Ich bin durch ein Youtube Video, in dem sich ein Mädchen die Haare abrasiert hat, auf diese Möglichkeit gestoßen. Ich wollte das Video sehen, weil ich so gespannt war, wie sie wohl ohne Haare aussehen würde und dann hat sie erwähnt, dass sie ihre Haare spenden wird. Da bin ich neugierig geworden und habe im Internet recherchiert.«

ÜBER EINE MILLION MENSCHEN LEIDEN UNTER ALOPEICA AREATA

Wie es ist, schon in jungen Jahren keine Haare mehr auf dem Kopf zu haben, ist für viele  kaum vorstellbar – Haare sorgen für Selbstsicherheit. Wird dieses Selbstbewusstsein durch eine Krankheit erschüttert, wie beispielsweise durch die Autoimmunerkrankung Alopeica areata, die in kürzester Zeit dafür sorgt, dass die gesamte Kopfbehaarung ausfällt, oder in der Folge einer Chemotherapie, geht ganz plötzlich ein Stück Persönlichkeit verloren.

Menschen, die auf eine Perücke angewiesen sind, haben die Wahl zwischen einer realistischen Echthaarperücke, die im Schnitt bei 1.200 bis 3.500 Euro liegt, oder einem Modell, welches von der Krankenkasse bezuschusst wird. Der Nachteil an letzterer Variante ist, dass diese Haare oft chemisch aufbereitet werden und beim Tragen Allergien auslösen können. Bei vielen Modellen leidet durch die aufwendigen Verfahren außerdem die Struktur, die Perücke sieht dann schnell künstlich aus.

View this post on Instagram

Heute starten wir einen Aufruf der uns wirklich am Herzen liegt!❤❤❤ »Die Haarspender«, ein im August 2016 gegründeter Non-Profit Verein, möchte Kindern helfen die ihr Haar durch Krankheit verloren haben. Neben Krankheiten wie Alopecia oder Krebs, die ohnehin schon eine äußerst schwere Zeit für die Kinder und Familie bedeuten, kommt noch der Faktor des Haarverlustes hinzu, der die Kinder zusätzlich sozial und emotional belastet und isoliert. Die Haarspender möchten mit Perücken, gefertigt aus gespendetem Haar diesen Kindern helfen, wieder ein Stückchen »Normalität« in deren Leben zurück zu bringen. Du hast lange Haare und eigentlich sind Sie dir nicht so wichtig? Na dann nix wie ab! Du spendest deine Haare und wir SCHENKEN 🌷dir deinen neuen Haarschnitt! (mindestens 27 cm Haarlänge) Schaut doch einfach mal auf der Seite www.diehaarspender.at vorbei. Es ist so wunderschön Kinderaugen Lachen zu sehen! Wir gemeinsam können einen großen Teil dazu beitragen!❤ #dieHaarspender #PrincessHair #alzenau #albstadt #michelbach #aschaffenburg #kinder #spenden #haare #haarespenden #haarespendenfürkrebskrankekinder #haarespenden😇 #kinderaugenleuchten #kinderaugenstrahlen #hair #shorthair #longhair #love #danke #haarspender

A post shared by Marlis Buhmann_PrincessHair (@princesshair_marlisbuhmann) on

HAARE SPENDEN, SO GEHT’S

»Ich wollte zwar schon immer mal einen kürzeren Haarschnitt ausprobieren, einfach um auch mal zu schauen, wie es aussieht. Habe es aber nicht getan. Meine Haare waren noch nie kürzer als auf Brusthöhe, ich hatte schon immer eher längeres Haar. Und als mich dann eine Seite zum Haare Spenden angesprochen hat, wollte ich sie mir sofort abschneiden lassen«, erklärt Michelle.

Im Netz finden sich verschiedene Organisationen, wie beispielsweise haare-spenden.de oder diehaarspender.at die deine Haare entgegennehmen, um sie für betroffene Menschen aufzubereiten oder an diejenigen weiterzugeben, die sich selbst keine Echthaarperücke leisten können. Wer sich für eine Spende entscheidet, sollte nach dem Abschneiden beim Friseur oder zuhause die Spende-Haare gut verpacken. Das bedeutet, dass das Haar am besten in regelmäßigen Abständen mit Haargummis zusammengebunden und anschließend in mehreren Lagen Küchenrolle eingewickelt wird. Die Päckchen oder Umschläge sollten hart sein, damit der kostbare Inhalt nicht beschädigt werden kann. Pro Spende kann man sich außerdem einen gewissen Geldbetrag auszahlen lassen, der in den meisten Fällen an Länge, Gewicht, Struktur, Farbe und dem allgemeinen Zustand  bemessen wird.

Ja, ich werde es wieder tun.

Der Moment, in dem ihr die Haare abgeschnitten wurden, war für Michelle ein tolles Gefühl. »Meine Mutter und 2 Freundinnen waren dabei (eine davon ist Friseurin und hat mir die Haare geschnitten). Als die Schere dann durch diesen dicken Zopf ging war das so ein geniales Gefühl, vor allem als er dann ab war und so viel Gewicht weg war. Und an den guten Zweck habe ich auch die ganze Zeit gedacht, ja!« Michelle trennte sich von insgesamt 36 Zentimetern und ist scheinbar noch immer völlig euphorisiert. Und sie ist sich sicher: »Ja, ich werde es wieder tun.«

Sobald die Perücke fertig ist, geht sie gegen einen geringen Aufschlag oder auch komplett kostenfrei an dankbare, neue Besitzer. Die Freude darüber: Unermesslich groß!

Dazu Passend

Werde ich zur Lebensretterin?

Unter Umständen ist eine Stammzellenspende die letzte Möglichkeit, um zu überleben. Vor einigen Jahren begriff ich, dass ich mich aus diesem Grund unbedingt bei der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, als Stammzellenspenderin registrieren lassen muss. Und heute denke ich immer wieder darüber nach, dass ich vielleicht irgendwann einmal einem Menschen das Leben retten darf.

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren