Selbsttest: Halten Period Pantys was sie versprechen?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: ooshi
Eine Frau mit einer Tasse Kaffe und in Unterhose
Das Berliner Female Health Start-up »ooshi« hat die erste waschbare Periodenunterwäsche Deutschlands entwickelt. Wir haben getestet, wie es sich anfühlt, einfach mal »laufen zu lassen«.

Erschreckend, aber wahr: In ihrem Leben verbraucht eine Frau durchschnittlich 16.800 Binden und Tampons. Das bedeutet Müll – sehr viel Müll. Darüber hinaus kann das Tragen und Wechseln der Hygiene-Artikel durchaus unangenehm sein. Außerdem muss während der Periode unweigerlich darauf geachtet werden, auch immer genügend Tampons und Binden dabeizuhaben und diese auch rechtzeitig zu wechseln. Da stellt sich also die Frage: Geht das nicht auch einfacher?

In einem unserer vorherigen Artikel haben wir bereits über die Menstruationstasse berichtet, die bei einem Preis zwischen 16 und 50 Euro etwa 10 Jahre lang verwendet werden kann. Zudem soll sie – je nach Stärke der Periode – stolze 12 Stunden am Tag getragen werden können. Klingt super, oder? Wem das jetzt allerdings immer noch zu umständlich ist, für die haben wir eine noch bequemere Möglichkeit getestet, nämlich die Period Panty von ooshi.

»ooshi« gibt es als Hipster und als Slip mit Spitze

 

Was ist eine Period Panty?

Eine Period Panty ist ein Slip, der während der Periode getragen wird. Das Besondere: Bei einer normalstarken Blutung bedarf es keiner weiteren »Schutzmaßnahmen«, und die Panty kann theoretisch einen ganzen Tag lang getragen werden. Das Blut wird von dem Slip aufgefangen und wie von einem Schwamm aufgesaugt. Die Unterwäsche zeichnet sich zudem dadurch aus, dass sie angenehm zu tragen und von außen nicht als Period Panty zu erkennen ist. Ein großer Vorteil ist, dass nach dem Tragen der Unterwäsche kein Müll entsteht. Nach der Benutzung wird die Unterwäsche einfach in der Waschmaschine gewaschen, bevor sie erneut zum Einsatz kommt.

In den USA, Australien und im Vereinigten Königreich ist Periodenunterwäsche schon länger ein großes Thema. Seit August 2018 gibt es mit ooshi auch bei uns einen Anbieter.

 

Period Panty von ooshi: So lief der Test

Die Unternehmerinnen Kristine Zeller und Dr. Kati Ernst sind die Gründerinnen des Start-ups. Die beiden Frauen verbindet eine enge Freundschaft und ein Ziel: nämlich einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen und die Themen Nachhaltigkeit und Female Empowerment voranzutreiben. Das Projekt ooshi begann übrigens mit einer Kickstarter-Kampagne, bei der in den ersten sieben Stunden 10.000 Euro gesammelt werden konnten.

 

Die Modelle

Für einen redaktionellen Test habe ich die beiden Gründerinnen um die Zusendung eines Period Panty gebeten. Ooshi gibt es in zwei Varianten: Als femininen Slip mit einer breiten Spitze und einer etwas höheren Leibhöhe – und als sportiven Hipster mit einem dezenten ooshi-Logoband und einer etwas niedrigeren Leibhöhe. Beide Slips sind schwarz und kosten jeweils 37,95 Euro. Für meinen Test habe ich mich für das zweite Modell entschieden, doch bevor die Panty ihren Weg zu mir antreten konnte, hieß es erst einmal warten. Die Nachfrage nach der Periodenunterwäsche ist bis heute enorm groß. Im Shop gibt es aktuell Wartezeiten von bis zu sieben Wochen. Da wir unsere Periode im Normalfall jedoch nur einmal im Monat haben und der Slip nicht täglich gebraucht wird, finde ich das persönlich nicht dramatisch.

Es liegt uns am Herzen, deine ooshi so zu verpacken, dass möglichst wenig Müll entsteht und deine Pantys dennoch sicher geschützt sind und beim Auspacken hübsch aussehen.

 

Erster Eindruck

Als der Slip bei mir eintraf, war ich schon während des Auspackens begeistert, denn was heute noch immer nicht selbstverständlich ist: Die Panty kommt in einer plastikfreien Verpackung. Dazu gibt es eine kurze, verständliche Anleitung mit Informationen zur Saugstärke, der Reinigung, zu den Umtauschmöglichkeiten und auch zur Verpackung. Für das beiliegende Seidenpapier gibt auf dem Blog noch einen Basteltipp zur Weiterwendung. Und dann ging es auch schon an die Wäsche.

Neugierig, aber zunächst auch etwas skeptisch, erfühlte ich das Material des Slips (Oberstoff: 89 % Baumwolle, 11 % Elasthan). Auf den ersten Blick lässt sich dieser tatsächlich nicht von herkömmlicher Unterwäsche unterscheiden, und sowohl die Nähte als auch die Verarbeitung im Allgemeinen wirken hochwertig. Auf den zweiten Blick lässt sich im Schritt der Panty eine Verdickung erkennen. Diese besteht aus drei verschiedenen Schichten, von der die körpernahste aus 100 % Merinowolle ist, die die Feuchtigkeit schnell vom Körper wegleitet und antibakterielle Eigenschaften hat. Die mittlere Schicht (40 % Baumwolle, 40 % Modal, 20 % Polyester) besteht aus Fasern, die mit einem antibakteriellen Wirkstoff auf Silberbasis angereichtet sind. Dadurch wird die Feuchtigkeit schnell aufgesaugt und eine Vermehrung von Bakterien verhindert – darüber hinaus soll diese Schicht eine unangenehme Geruchsbildung vermeiden. Und dann ist da noch die letzte Schicht (Trägerstoff 100 % Polyester, Membran 100 % Polyurethan), die aus einer flüssigkeitsundurchlässigen Membran besteht. Alle drei Bereiche sind zudem atmungsaktiv und elastisch.

»ooshi« fühlt sich gut an und ist angenehm auf der Haut

 

Ein Tag mit ooshi

Ich war also wirklich sehr gespannt, ob sich die Unterwäsche wirklich so angenehm tragen lässt und sich unter der Jeans auch tatsächlich nicht abzeichnet. Und noch wichtiger: Wie lange ich den Slip wohl würde tragen können. In letzter Zeit ist meine Periode leicht- bis mittelstark – eine ooshi soll laut Kristine und Kati die Flüssigkeitsmenge von bis zu 3 Normaltampons aufnehmen können. Doch geben sie auch den Hinweis, dass natürlich jede Periode einzigartig ist und sich jede Frau zunächst herantasten und herausfinden muss, wie lang der Slip von ihr getragen werden kann.

Wann ooshi in Kombi oder alleine für dich am besten anwendbar ist, wirst du über die Zeit lernen – deine Periode ist einzigartig!

Mein Test begann um 9 Uhr morgens, am ersten Tag meiner Periode. Dass die ooshi, ich habe sie übrigens in Größe 38/40 bestellt, im Schritt und am Po etwas dicker ausfällt als andere Slips, merkte ich kurz nach dem Anziehen leicht. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich mich allerdings daran gewöhnt und vergaß sogar immer mal wieder, dass ich einen Periodenslip trage. Während des Tages saß ich eine längere Zeit am Schreibtisch, erledigte in der Mittagspause einige Besorgungen und ging nach der Arbeit sogar noch zum Sport. Dass die einzelnen Schichten halten, was sie versprechen, konnte ich den ganzen Tag über erleben. Das Periodenblut war immer nur kurzzeitig sichtbar und verschwand schnell. Zu keiner Zeit fühlte es sich feucht oder unangenehm im Schritt an. Erst im Fitnessstudio beschlich mich wieder ein ungewohntes Gefühl. In der engen Sportleggings hatte ich dann doch den Eindruck, dass sich der Slip abzeichnet. Doch weder auf dem Laufband noch an der Beinpresse fühlte ich mich eingeschränkt.

 

Fazit

Erst um 19:30 Uhr zog ich die Period Panty wieder aus. Nachdem ich sie kurz unter kaltem Wasser ausgespült hatte, wanderte der Slip in die Wäsche. Am Ende des Tages fühlte ich mich wirklich gut, denn ich hatte die Unterwäsche ohne Einschränkungen und Probleme über 10 Stunden lang getragen und in dieser Zeit keinen Müll in Form von Damenbinden oder Tampons produziert. Da meine Periode in den nächsten Tagen leicht weiterging, fand ich es sogar schade, nicht noch eine ooshi im Schrank zu haben. Um die gesamte Periode so zu überstehen, würde ich sicher vier bis fünf Pantys benötigen. Eine Investition, die ich in den kommenden Monaten allerdings gern tätige. Denn bis auf das für mich persönlich ungewohnte Gefühl, das ich in meiner Sportleggins verspürte, bin ich wirklich begeistert. Für mich ist Periodenunterwäsche im Allgemeinen definitiv eine perfekte Alternative zu allen anderen Periodenartikeln.

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Bae
#1 — vor 2 Monaten 2 Wochen
Sie haben also nur geschätzte 2,3 Tage Ihre Periode? Meine geht länger. Also ich bräuchte für meine Periode zwischen 12 und 15 Pantys, es sei denn ich würde jeden Tag waschen. Ironie on: Sehr praktisch! Ironie off.
Dabei gibt es seit Jahren Binden zum Waschen, mit den gleichen Fasern, die wesentlich günstiger sind und die man von außen auch nicht sieht. Das Tragegefühl ist sicher kein anderes als das der Pantys.
P.S. man kann damit auch seine gewohnte Unterwäsche tragen und sie regelmäßig wechseln und wenn man 5 Kilo mehr oder weniger wiegt muss man auch keine neue Wäsche kaufen.

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