Schwangerschaftsabbruch – Rechtslage, Methoden und Kosten

Words by Arzu Gül
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Frau hält positiven Schwangerschaftstest in den Händen - Schwangerschaftsabbruch Abtreibung

Wann sind Abtreibungen in Deutschland eigentlich erlaubt? Welche Methoden gibt es? Und wer übernimmt die Kosten eines solchen Eingriffs? Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema Schwangerschaftsabbruch.

Abtreibung ist ein emotionales Thema und sicher keine leichte Entscheidung. Der moralische Spagat zwischen Selbstbestimmung und der Frage, ab wann aus einem Embryo ein Menschenleben entsteht, bereitet vielen Frauen Kopfzerbrechen. Die Medizinethik beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit diesem Thema, doch eine endgültige Antwort kann sie bis heute nicht liefern. In Deutschland ist gesetzlich definiert, wann und in welcher Form eine Abtreibung erlaubt ist. Da es jedoch nach dem umstrittenen Paragrafen 219a ÄrztInnen in Deutschland verboten ist, öffentlich über die Möglichkeiten und Mittel eines Schwangerschaftsabbruchs zu informieren, sind die Informationsquellen für Frauen in solch einer Situation eingeschränkt.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Abtreibung und erläutern die unterschiedlichen Abläufe eines Schwangerschaftsabbruchs.

Ist Abtreibung in Deutschland erlaubt?

Laut Paragraf 218 des Strafgesetzbuchs ist eine Abtreibung generell erst einmal verboten. Eine Frau, die ihre Schwangerschaft abbricht, macht sich also strafbar.

»§ 218 (1) Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.«

Natürlich ist eine Abtreibung aber unter bestimmten Umständen trotzdem erlaubt. Diese Ausnahmen sind in Paragraf 218 a geregelt. In diesen Fällen ist ein Schwangerschaftsabbruch also legal. Frauen ab dem 16. Lebensjahr dürfen über eine Abtreibung übrigens selbst entscheiden. Sind sie jünger, wird in der Regel eine Einverständniserklärung der Eltern gefordert.

Ein Beratungsgespräch ist in Deutschland Pflicht vor Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs

Abtreibung nach einer Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle

Wer eine Abtreibung durchführen lassen möchte, muss sich mindestens drei Tage vor dem Termin in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle beraten lassen. Anschließend muss die Frau dem durchführenden Arzt oder der durchführenden Ärztin eine Bescheinigung über diese Beratung vorlegen. Wichtig ist vor allem der Zeitpunkt des Abbruchs: Die Abtreibung darf ausschließlich in den ersten 12 Schwangerschaftswochen durchgeführt werden. Danach ist die Abtreibung wiederum illegal und strafbar.
 

Abtreibung bei medizinischer oder kriminologischer Indikation

Erlaubt ist der Schwangerschaftsabbruch auch, wenn bestimmte rechtfertigende Indikationen vorliegen:

  • Eine medizinische Indikation liegt vor, wenn die Ärztin oder der Arzt bescheinigen kann, dass das Leben oder die körperliche bzw. seelische Gesundheit der Schwangeren bedroht ist. In diesem Fall ist ein Schwangerschaftsabbruch sogar bis zur 22. Schwangerschaftswoche möglich.
  • Eine kriminologische Indikation ist gegeben, wenn die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt – zum Beispiel einer Vergewaltigung – beruht.

Welche Abtreibungsmethoden gibt es?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es drei gängige Methoden für eine Abtreibung. Zwei davon sind operativ, die Dritte hingegen medikamentös.


Die Absaugmethode

Etwa 57 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland werden über die Absaugmethode durchgeführt. Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff, der unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt wird und nur 10 bis 15 Minuten dauert. Bei dieser Methode wird die sogenannte Vakuumaspiration angewandt. Mithilfe eines speziellen Metallstäbchens, dem Hegarstift, wird der Muttermund einige Zentimeter gedehnt, sodass der Arzt oder die Ärztin einen flexiblen Plastikschlauch in die Gebärmutter einführen kann. Dieser Schlauch ist mit einer Saugpumpe verbunden, der einen starken Sog kreiert und das Schwangerschaftsgewebe mitsamt Embryo und Plazenta absaugt.

Nach dem Eingriff wird per Ultraschall überprüft, ob noch Überreste des Gewebes in der Gebärmutter zurückgeblieben sind. Diese können dann nochmals abgesaugt oder ausgeschabt werden. Nach dem Eingriff kann es einige Tage zu Blutungen und krampfartigen Schmerzen kommen, die einer Regelblutung ähneln. Viele Frauen sind aber bereits am nächsten Tag wieder in der Lage, zur Arbeit zu gehen. Nach etwa 14 Tagen wird eine Nachuntersuchung durchgeführt.


Die Ausschabung

Bei der Ausschabung handelt es sich um einen operativen Eingriff mit einem Schabinstrument. Auch diese Methode wird unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei wird der Muttermund gedehnt und die Gebärmutter mithilfe eines stumpfen Schabeisens, auch Curette oder Kürette genannt, ausgeschabt, wobei jegliches Schwangerschaftsgewebe entfernt wird.

Da diese Methode aber länger dauert und häufiger zu Komplikationen führt als die gängigere Absaugmethode, wird sie nur von 14,1 Prozent der Frauen in Anspruch genommen. In einigen Fällen, etwa nach einer Absaugung oder einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch, kann eine Ausschabung aber notwendig werden, um gegebenenfalls restliches Gewebe zu entfernen und einer Infektion vorzubeugen.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist unter gewissen Umständen mit der Abtreibungspille möglich


Die medikamentöse Methode

Bei der medikamentösen Methode wird eine Abtreibung durch den Einsatz der sogenannten Abtreibungspille durchgeführt. Das Medikament enthält den Wirkstoff Mifepriston, der die Wirkung des Hormons Progesteron blockiert, das für die Erhaltung der Schwangerschaft notwendig ist. Dadurch löst sich die Schleimhaut der Gebärmutter und der Embryo wird mitsamt des umhüllenden Gewebes vom Körper abgestoßen.

Etwa ein bis zwei Tage nach Einnahme der Pille erhält die Frau zusätzlich noch das Hormon Prostaglandin, das Wehen auslösen und den Abgang herbeiführen soll. Dadurch kommt es zu einer Blutung, mit der das Schwangerschaftsgewebe schließlich ausgeschieden wird. Der Vorgang ist mit einer natürlichen Fehlgeburt zu vergleichen.

In Deutschland darf die Abtreibungspille nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche eingesetzt werden, da zu einem späteren Zeitpunkt keine vollständige Wirkung mehr gewährleistet werden kann. Vorsicht ist auch geboten, wenn Frauen an Asthma oder chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen leiden. Durch das Hormon Prostaglandin, das bei dieser Art von Schwangerschaftsabbruch immer erforderlich ist, kann der Blutdruck stark abfallen oder ansteigen. Das kann für Frauen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährlich werden. 

Wer übernimmt die Kosten für eine Abtreibung?

Bei Frauen, die den Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer medizinischen oder kriminologischen Indikation durchführen (siehe oben), werden die Kosten von der Krankenversicherung übernommen. Entscheidet man sich hingegen auf eigenen Wunsch für die Abtreibung, so müssen die Kosten für die Behandlung in der Regel selbst getragen werden. Diese belaufen sich auf etwa 350 bis 600 Euro. Die Kosten für die ärztliche Beratung, die Vor- und Nachuntersuchungen und für mögliche Nachbehandlungen bei Komplikationen werden aber auch in diesem Fall von der Krankenkasse getragen.

Besteht eine soziale Bedürftigkeit der Frau – das ist der Fall, wenn das persönliche Einkommen der Frau unter 1258 Euro pro Monat liegt (Stand August 2020) und sie kein kurzfristig verwertbares Vermögen besitzt – gibt es einen Anspruch auf eine Kostenübernahme. Diese Einkommensgrenze erhöht sich, wenn minderjährige Kinder mit im Haushalt leben. Ebenfalls besteht der Anspruch für Frauen, die Sozialleistungen beziehen oder in einer Einrichtung leben, deren Kosten von der Sozial- oder Jugendhilfe getragen werden.

Wichtig ist hierbei allerdings, die Kostenübernahme bereits vor dem Schwangerschaftsabbruch bei der Krankenkasse zu beantragen, da die Kosten rückwirkend nicht übernommen werden.

Abtreibung – und danach?

Selbst wenn man sich freiwillig für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden hat und die Entscheidung generell für richtig hält, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem unter psychischen Folgen einer Abtreibung leiden kann. Viele Frauen brauchen nach diesem Ereignis einige Zeit, um die Erfahrung zu verarbeiten.

Auch wer sich aktiv für den Schwangerschaftsabbruch entschieden hat, sollte sich die Zeit geben, das Erlebte zu verarbeiten

Sorgen und Ängste sollte man daher nicht mit sich alleine und im Stillen ausmachen. Es gibt viele Beratungsstellen, die auch nach einer Abtreibung Hilfe in Form von Gesprächen und psychischem Beistand anbieten. Auch der Dialog mit engen Vertrauten, der Familie oder FreundInnen kann helfen, mit dem Erlebten besser zurechtzukommen.  

Weitere Infos und die nächstgelegene Beratungsstelle finden Frauen u. a. auf Familienplanung.de.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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