Neues Portal: Patientenverfügungen unkompliziert erstellen

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: obs/Patientenverfügung.digital
Aus diesem Grund ist eine Patientenverfügung so wichtig

Unfälle oder schwere Krankheiten sind Dinge, über die man als gesunder, junger Mensch verständlicherweise nicht so gerne nachdenkt. Aber niemand ist vor Unglück gefeit, und wer bei schweren oder unheilbaren Krankheitsverläufen die eigenen Wünsche auch dann verwirklicht bekommen möchte, wenn er oder sie selbst darüber nicht mehr Auskunft geben kann, kommt um eine Patientenverfügung nicht herum. Ein neues Portal soll die Erstellung einer solchen Patientenverfügung nun schnell und unkompliziert ermöglichen.

 

Diese Situation wünscht sich niemand: Durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit ist man plötzlich entscheidungsunfähig und kann sich nicht mehr selbst dazu äußern, ob beispielsweise lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden sollen oder nicht. Wer sich rechtzeitig um eine Patientenverfügung gekümmert und diese in korrekter Form hinterlassen hat, wird den eigenen Willen verwirklicht bekommen. Wer sich nicht darum gekümmert hat, bürdet dem Ehemann, den Kindern oder den Eltern im Zweifel eine riesige Verantwortung auf. Denn nun müssen sie entscheiden, was das Beste für einen ist, und müssen versuchen, im Sinne der kranken Person zu handeln. Keine leichte Aufgabe. 

Mit einer schriftlichen Patientenverfügung können Patientinnen und Patienten vorsorglich festlegen, dass bestimmte medizinische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind, falls sie nicht mehr selbst entscheiden können. Damit wird sichergestellt, dass der Patientenwille umgesetzt wird, auch wenn er in der aktuellen Situation nicht mehr geäußert werden kann. – Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Patientenverfügung erstellen: Diese Möglichkeiten gibt es

Wer eine Patientenverfügung erstellen möchte, kann sich beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eine Art Vorlage mit Textbausteinen herunterladen, die bei einem bei der Ausformulierung hilft. Das Bundesministerium für Gesundheit rät allerdings, sich zusätzlich von einer Ärztin oder einem Arzt zu dem Thema beraten zu lassen. Eine weitere Möglichkeit ist nun eine neue digitale Software: Auf www.patientenverfügung.digital kann die Verfügung mithilfe eines Online-Assistenten in nur wenigen Schritten erstellt werden. Die Idee zu diesem Portal ist aus der Tatsache heraus entstanden, dass im Notfall aktuell nur jede 50. Patientenverfügung greift. Zu diesem Ergebnis kommen eine Untersuchung des Herforder Notfallmediziners Dr. med. Steffen Grautoff sowie eine weitere Studie, die die Aussagekraft von Patientenverfügungen in Akutsituationen analysiert. Konkret bedeutet das, dass viele der Patientenverfügungen nicht präzise genug formuliert sind. 

In nur wenigen Schritten zu einer individuellen Patientenverfügung

Um hier Abhilfe zu schaffen, ist Patientenverfügung.digital in Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachärzten, Rechtsanwälten und dem Arzt und Gerichtssachverständigen Dr. med. Wilhelm Margula entstanden. Der Online-Assistent soll die Erstellung besonders einfach machen, indem er die NutzerInnen Fragen beantworten lässt. Nach einer kurzen Auswertung liegt die maßgeschneiderte Patientenverfügung vor. »Vor allem im medizinischen Bereich sind die so generierten Patientenverfügungen wesentlich präziser und differenzierter als viele verfügbare Vorlagen zum Ankreuzen. Zusätzlich wird die Patientenverfügung mit den persönlichen Vorstellungen von Lebensqualität und Wertvorstellungen angereichert«, wie Elke Rasche, Leiterin der Berliner »Zentralstelle Patientenverfügung« vom Humanistischen Verband, erklärt.

 

Angehörige können automatisch benachrichtigt werden

Besonders praktisch: Die online generierte Verfügung kann direkt auf der Webseite hinterlegt werden und ist über eine Dokumentennummer oder einen QR-Code im Notfall jederzeit durch ÄrztInnen einsehbar. Zudem werden bei Abruf der Unterlagen die hinterlegten Notfallkontakte automatisch per E-Mail oder SMS benachrichtigt. So wissen Angehörige sofort, in welches Krankenhaus sie müssen. Finanziert wird das Portal übrigens durch freiwillige Spenden von zufriedenen NutzerInnen. Denn: »Jede*r sollte – unabhängig von Einkommen oder Vermögen – von seinem Recht auf Selbstbestimmung Gebrauch machen und für den Notfall vorsorgen können«, sagt Geschäftsführer Eduard Hildebrandt.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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