Orgasmische Meditation: So funktioniert der Trend aus den USA

19.07.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
OMing: So funktioniert die orgasmische Meditation

Die Orgasmische Meditation ist eine Praxis, bei der Frauen und Männer lernen sollen, loszulassen und sich selbst völlig neu kennenzulernen. Doch was genau passiert in den 15 Minuten, die fast jedes Mal gleich ablaufen?

OM, OMing, Slow Sex oder Orgasmische Meditation – der Trend, der seinen Ursprung im Buddhismus findet, hat viele Namen. Die Amerikanerin Nicole Daedone gehört zu den führenden Vertreterinnen der Bewegung. Nach einer persönlichen Krise fand sie Trost im Zen-Buddhismus und durch einen Zufall den Weg zum OMing. Heute führt sie mit OneTaste ihr eigenes erfolgreiches Unternehmen, das sich ausschließlich mit Orgasmischer Meditation befasst – einer Praxis, die, vor allem in den USA, immer mehr Anhänger gewinnt.

Im Gespräch mit der New York Times erklärte Nicole: “Ich glaube, dass Frauen nie wirklich frei sein werden, solange sie nicht vollständig über ihre eigene Sexualität bestimmen.”

'One Taste' Encourages Women To Do Orgasm Meditation

Orgasmic meditation can help women focus on staying in the moment

Gepostet von NowThis Her am Dienstag, 6. Februar 2018

OMing: So funktioniert die Orgasmische Meditation

Bei der Orgasmischen Meditation handelt es sich um eine Partnerpraxis, die zwischen einer Frau und einem Mann oder zwischen zwei Frauen stattfinden kann. Die Frau, die die Meditation erleben soll, entkleidet sich von der Hüfte abwärts und legt sich bequem in einer beckenöffnenden Position auf eine Matte. Der Partner oder die Partnerin bleibt bekleidet und setzt sich daneben – jedoch so, dass kein direkter Augenkontakt besteht. Mithilfe von Gleitgel wird nun das obere linke Viertel der Klitoris genau 15 Minuten lang und mit ganz leichtem Druck massiert. An dieser Stelle sind die meisten Frauen am empfindlichsten, da sich hier die meisten Nervenenden befinden. Das Streicheln vergleichen OMing-Trainer übrigens mit der sanften Berührung eines Augenlids. Küsse und Berührungen an anderen Stellen sollen nicht Teil der Meditation sein.

Was ist das Ziel einer Orgasmischen Meditation?

Besonders wichtig dabei ist, dass die Orgasmische Meditation nicht zwangsläufig einen Höhepunkt zum Ziel hat. Es geht um ein entspannendes Erlebnis, das dabei helfen soll, sich selbst besser kennenzulernen, abzuschalten und mehr Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigenen Gedanken zu erlangen. Dies soll übrigens auch für die streichelnde Person gelten, die ebenfalls die eigenen Körperempfindungen bewusst wahrnehmen und analysieren soll. Paare sollen einander näherkommen und sich noch besser kennenlernen – jegliche Scham und Unsicherheit verlieren. Um das Gefühl zu bestärken, sollen sich beide nach Ablauf der Zeit über ihre Gefühle während der Meditation unterhalten.

Orgasmische Meditation: Entspannung wie beim Yoga?
OMing soll entspannen & den Blick auf die eigenen Bedürfnisse schärfen / Bildquelle: Unsplash

Orgasmische Meditation in Deutschland

In Amerika sind OMing-Kurse gut besucht. Auch in Deutschland kann die spezielle Form der Meditation erlernt werden. Anke Felice Pospiech und Ralf Lieder sind beide Tantralehrer und auch mit der Orgasmischen Meditation vertraut. Auf ihrer Webseite erklären sie, dass OMing-Praktizierende nach kurzer Zeit vor allem von einer gesteigerten Energie, einer geringeren Reizbarkeit, einem größeren Vertrauen zu ihrem Körper, einer höheren Konzentration und einer gesteigerten Libido berichten. “TurnOn Deutschland” bietet ebenfalls Kurse in Hamburg, Berlin und München an. Weibliche und auch männliche Coaches bringen den Teilnehmern persönlich oder per Skype die Techniken bei.

Im Gespräch mit Deutschlandfunk Nova vergleicht Trainer Axel Jack Metayer die orgasmische Meditation mit Yoga. “Man zahlt ja auch für das Wohlsein in jeder Yogastunde. Und Sexualität und Beziehung sind elementare Bestandteile unseres Lebens. Das macht Sinn, sich hier fortzubilden.”

Ob OMing-Kurse irgendwann einmal ähnlich beliebt und anerkannt wie Yoga-Kurse werden? Vermutlich nicht. Doch für Paare könnte die orgasmische Meditation eventuell zu einem völlig neuen Erlebnis werden, das nicht nur für frischen Wind sorgt, sondern tatsächlich auch helfen kann, Barrieren zu durchbrechen.

Das Beitragsbild ist übrigens von Matheus Ferrero auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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