Lipödem frühzeitig erkennen: Bin ich davon betroffen?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Houcine auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Leide ich unter einem Lipödem?

Als Lipödem bezeichnet man vermehrt auftretendes Fettgewebe der Unterhaut. An den Beinen, seltener auch an den Armen, kann es so zu einem schmerzhaften Druckgefühl kommen.

 

Die Natur kann ganz schön ungerecht sein: Lipödeme treten fast ausschließlich bei Frauen auf – Männer sind nur in Ausnahmefällen davon betroffen. Doch was ist überhaupt ein Lipödem?  Es handelt sich um eine Fetteinlagerungsstörung, bei der das Fettgewebe der Unterhaut zunimmt und Wasser einlagert. Das führt dazu, dass der Oberkörper betroffener Frauen schlank ist, die Beine aber unverhältnismäßig dick. Diese körperlichen Veränderungen gehen häufig mit Schmerzen und einer psychischen Belastung einher. Wie häufig Lipödeme auftreten, ist nicht eindeutig geklärt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland jedoch etwa eine Millionen Menschen betroffen. Auch über die Ursache ist man sich noch nicht sicher. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es eine erbliche Veranlagung für Lipödeme gibt, da viele der Patientinnen eine oder mehrere erkrankte Personen in der Familie hatten oder haben.

Lipödem: Bin ich betroffen?

Wer unter einem Lipödem leidet, muss sich häufig auch heute noch erst einmal mit einer Fehldiagnose begnügen. Denn obwohl die Krankheit gar nicht so selten ist, kommt es immer wieder vor, dass ÄrztInnen stattdessen starkes Übergewicht diagnostizieren. Versucht die Patientin daraufhin, mit Sport oder einer Diät gegen ihr vermeintliches Übergewicht vorzugehen, passiert meist gar nichts. Sehr frustrierend. Wer den Verdacht hat, von einem Lipödem betroffen zu sein, sollte sich am besten an eine Phlebologin oder einen Phlebologen bzw. an eine Lymphologin oder einen Lymphologen wenden, denn diese sind mit dem Krankheitsbild vertraut.

Doch welche Anzeichen gilt es zu beachten? Zu Beginn kann es sein, dass die betroffenen Gewebebereiche druckempfindlich sind und ein Spannungsgefühl auftritt. Im weiteren Verlauf fühlen sich die Beine immer schwerer an, und selbst leichter Druck kann Schmerzen auslösen. Weiterhin lässt sich ein Lipödem nicht eindrücken, und die Beine können sich von innen heiß anfühlen, während die Haut von außen jedoch kühl ist. Außerdem entstehen sehr leicht blaue Flecke. Ein weiterer Hinweis auf die Krankheit: Sind alle diese Symptome vorhanden, verstärken sie sich meist bei warmen Temperaturen sowie nach längerem Sitzen und Stehen. Bei einem stark ausgeprägten Lipödem kommt es häufig auch zu Problemen beim Gehen und zu wunden Hautstellen. 

Lipödeme: Wie können sie behandelt werden?

Bereits im Jahr 1940 wurde das Lipödem zum ersten Mal beschrieben – umso enttäuschender, dass es dennoch so selten frühzeitig diagnostiziert wird. Denn wird die Krankheit direkt zu Beginn erkannt, können Maßnahmen ergriffen werden, die den Leidensdruck gar nicht erst so stark werden lassen. Um die Symptome zu lindern und den Beinumfang zu verringern, werden zwei Methoden empfohlen, bei denen es primär darum geht, das Wasser zu verringern und das Gewebe zu entstauen. 

 

In einem frühen Stadium kann es schon reichen, Kompressionsverbände oder -strümpfe anzulegen, um einer Verschlimmerung des Lipödems vorzubeugen. Später empfiehlt sich die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Diese wird meist ein Leben lang durchgeführt und besteht aus mehreren Komponenten: dem täglichen Tragen von Kompressionsverbänden oder -strümpfen, wöchentlicher Krankengymnastik, manueller Lymphdrainage sowie intensiver Hautpflege. Sobald diese Therapie zu einer erfolgreichen Entwässerung geführt hat, kommt auch eine Fettabsaugung infrage, wofür die PatientInnen die Kosten allerdings selbst tragen müssen. 

Hat man neben dem Lipödem auch noch unter starkem Übergewicht zu leiden, wird eine Ernährungsumstellung empfohlen, um den Körper angemessen zu entlasten und ein gesundes Normalgewicht zu erreichen. Wie bereits erwähnt hilft Sport nicht dabei, ein Lipödem verschwinden zu lassen. Dennoch wird Schwimmen oder Aqua-Gym oft als angenehm empfunden, da sich im Wasser der Druck auf die Beine verringert. 

Wie bei vielen anderen Krankheiten kann es also auch beim Lipödem entscheidend sein, frühzeitig eine eindeutige Diagnose zu erhalten. So kann man starken Schmerzen entgegenwirken und die Bildung von Wasser in den Beinen so gering wie möglich halten. Wer also den Verdacht hat, an einem Lipödem zu leiden, sollte sich an die entsprechenden ExpertInnen wenden und nicht lockerlassen.  

Dazu Passend

Was ist eigentlich Non-24?

Im Radio ist aktuell immer wieder die Rede von Non-24 – einer Schlafstörung, die mit völliger Erblindung in Verbindung steht. Doch was ist Non-24 genau, und wer kann diese Krankheit bekommen?

 

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren