Lifestyle-Trend Lagom: Das Glück kommt aus Schweden

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Lagom

Die Schweden gelten als besonders glücklich und zufrieden. Das könnte daran liegen, dass sie “Lagom” leben. Eine Glücksformel, die das Leben im Gleichgewicht hält. Das wollen wir auch!

 

Die Suche nach dem ganz persönlichen Glück bedeutet für die meisten Menschen eine lange Reise, bei der das Ziel zunächst unbekannt ist. Wonach du wirklich suchst, stellt sich meist erst heraus, wenn du vollends bei dir selbst angekommen bist. Dieses Gefühl sorgt für eine Zufriedenheit, die es dir ermöglicht zu sagen: “Ja, ich bin glücklich!”.

NACH “HYGGE” KOMMT “LAGOM”

Die Schweden gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt und müssen für diesen Zustand gedanklich scheinbar nicht so weit reisen, wie andere. Egal, ob Lebensqualität, Umweltbewusstsein oder Gleichstellung – ihre Vorreiterfunktion lässt auch uns neidvoll nach oben in den Norden schauen.

Bekanntlich hatten es uns im letzten Jahr auch die Dänen angetan. Spätestens, nachdem der Begriff “Hygge” im deutschen Duden aufgenommen wurde, haben viele zunehmend versucht, das Lebensgefühl zu adaptieren. Ob mit einem guten Buch und in selbstbestrickten Socken, wir waren dabei, wenn es darum ging, die Freizeit “hyggelig” zu gestalten.

Nun schwappt die positive Lebenseinstellung der Schweden herüber und wird unter dem Namen “Lagom” firmieren. Das lässt sich in Ungefähr mit “genau die richtige Menge” übersetzen. Aber was ist so richtig damit gemeint? Die aus Nigeria stammende Lola Akinmade Åkerström hat dazu ein Buch geschrieben. Mit ihrem Guide “In der Mitte liegt das Glück”, möchte sie den Lagom-Lifestyle in unseren Alltag einziehen lassen.

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WIE LEBEN WIR LAGOM?

Doch ist es nicht genau das, was wir bereits seit so vielen Jahren versuchen? Das richtige Maß finden, nie zu viel und nie zu wenig, fern von Übertreibung und Exzess? Ja und nein. Zwar predigt die chinesische Philosophie schon seit Jahrtausenden, dass Yin und Yang stets im Einklang sein sollten, doch löst Lagom einen regelrechten Hype aus. Vielleicht gerade deshalb, weil noch niemand Schweden wieder verlassen hat, ohne über gut aussehende junge Frauen und Männer mit Kinderwägen zu schwärmen, die scheinbar niemals vom Alltag gestresst oder müde sind und dabei mit ihrer überwältigend positiven und freundlichen Ausstrahlung alle in ihren Bann ziehen?

 

Ganz allgemein rät Lagom zu einer gesunden und bewussten Lebensweise, die zur Bescheidenheit beim Konsum-, Geld-, Wasser- und Energieverbrauch rät. Fair und nachhaltig produzierte Produkte stehen dabei ebenso im Vordergrund wie ein respektvoller Umgang mit den Mitmenschen. So werden wir glücklicher. So heißt es zumindest in der Theorie.

Schweden

 

Schweden

 

LAGOM = VERLUST DER INDIVIDUALITÄT?

Denn es gibt auch immer wieder Kritik an der sanften Lebensweise, die kaum Platz für Individualität und Ecken und Kanten bietet. Denn ganz konkret bedeutet Lagom auch, dass man sich auf einen kleinen Freundeskreis beschränkt und Dinge, die einen stören lieber nicht anspricht. Es heißt auch, mit Komplimenten sparsam umzugeht und ein Sieg immer als Teamleistung zu sehen. Lagom ermutigt außerdem dazu, Gespräche über Themen wie Politik oder Geld zu vermeiden, um keinen Konflikt entstehen zu lassen. Nach Lagom bezahlen im Restaurant auch verheiratete Paare ihre Rechnung getrennt. Weiterhin wird viel Wert auf sogenannte Fikas – die Pausen, gelegt. Wenn es um den Kleiderschrank geht, steht bei Lagom Einfachheit und Pragmatismus im Mittelpunkt. Alles Extreme sollte vermieden werden. Nachhaltigkeit spielt dann natürlich auch in der Einrichtung eine Rolle. Da viele Schweden diese Lebensweise über Generationen bereits in verinnerlicht haben, spricht man dort auch oft von Jante – der “Unterdrückung der Individualität zugunsten des Kollektivs”.

Was tatsächlich ein bisschen an eine Armee ferngesteuerter Roboter erinnert, ist im Grunde dennoch sehr gut gemeint. “Lagom” komplett zu verteufeln, halten wir an dieser Stelle für falsch, denn Vieles von dem, was die Schweden leben, würde nicht nur uns selbst, sondern auch die Welt ein klein wenig besser machen. Wer also noch auf der Suche nach dem Glück ist, kommt diesem vermutlich auch mit einer etwas abgeschwächteren “Lagom”-Lebensweise ein Stückchen näher. Und ist es nicht schon wieder ganz im Sinne von “Lagom”, die Tipps und Vorschläge nicht als strenge Regeln, sondern als entspannte Inspiration zu sehen?

 

Alle Bilder sind übrigens von Lola A. Åkerström/Knesebeck Verlag

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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