Langeweile? Brauchen wir jetzt dringend!

31.03.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Einfach mal nichts tun! Langeweile fördert Kreativität

Wir sind ständig in Bewegung. Scheinbar verlernen wir dabei, uns Ruhe zu gönnen und uns ganz bewusst auf Langeweile einzulassen. Warum der Begriff so negativ besetzt, für unsere Entwicklung aber trotzdem so wichtig ist.

Langeweile ist doch wirklich anstrengend. Ob im Wartezimmer beim Arzt, an der Bushaltestelle oder einfach nur in der Werbepause des Sonntagsblockbusters. Dasitzen und einfach mal Nichtstun ist so gut wie unmöglich geworden. Viel zu langweilig! Unweigerlich drängt sich das Gefühl auf, man würde seine Zeit verschwenden. Anstatt entspannt in die Ferne zu schauen, können wir während wir auf den Bus warten auch noch schnell eine WhatsApp-Nachricht tippen oder ein Foto bei Instagram posten. Mails checken und eine Einkaufsliste runtertippen sind nicht unbedingt spaßig, dafür aber irgendwie Lücken füllend.

Die Zeichen stehen auf Dauerbetrieb

Dieser ununterbrochene Dauerbetrieb fühlt sich an wie ein produktiver Flow, tut unserem Geist aber gar nicht gut. Viele kennen das Gefühl der ständigen Erschöpftheit, obwohl der Tag in der Rückschau gar nicht so voll wirkt. Doch der Dauerbetrieb unseres Gehirns kann sich verselbstständigen und dann wird es immer schwerer abzuschalten. Selbst nachts treiben uns die wildesten Gedanken um, ohne das wir viel Konzentration dafür aubringen. Sind wir dann aber in einem ganz bestimmten Moment von unserer Gehirnleistung abhängig, haben wir zunehmend Schwierigkeiten, kreativ zu werden. Laut Forschern liegt das daran, dass wir es uns kaum noch erlauben, unsere Gedanken wandern zu lassen. Durch die konstante Dauerbeschallung geben wir frischen Ideen und Gedanken keinen Raum.

Langeweile kann für Kreativität sorgen

Das, was Psychologen als Gedankenwandern bezeichnen, passiert, sobald wir uns langweilen und mit ganz einfachen Dingen beschäftigen. Neugierforscher Dr. Carl Naughton forscht schon länger auf dem Gebiet und ist sich sicher: „Wenn Sie neue Ideen brauchen, tun sie nicht einfach nichts. Gehen sie in die Natur, in sich, oder unter die Dusche. Machen sie etwas Einfaches!“

Ein Forscherteam um die kalifornischen Psychologen Benjamin Baird und Jonathan Schooler haben die Theorie in einem Experiment getestet. Sie beauftragten vier Gruppen, innerhalb mehrerer Minuten ungewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten für alltägliche Gegenstände wie Ziegelsteine oder Zahnstocher zu finden. Das Ergebnis: Die Gruppe, die sich während des Nachdenkens mit einer ganz stupiden und eigentlich langweiligen Sortieraufgabe beschäftigte, schnitt am besten ab. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern kamen sie auf durchschnittlich 41 Prozent mehr nützlicher Ideen.

Also dann: Viel Spaß beim Gedankenwandern! Am besten auf einer Parkbank beim Enten zählen – und natürlich ohne Handy!

Informationen zu Dr. Carl Naughton findest du hier. Zum Experiment geht es hier entlang.

Das Beitragsbild ist übrigens von Brooke Cagle auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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