Koffeinentzug: Warum man ihn besser langsam angehen sollte

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Nathan Dumlao auf Unsplash
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Eine Tasse Kaffee wird eingegossen
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Leidenschaftliche Kaffee-Liebhaber*innen, die ihren Konsum einschränken oder sogar vollkommen aufgeben möchten oder müssen, sollten sich bei der Abgewöhnung lieber etwas Zeit lassen. Darum könnte der Koffeinentzug etwas schwierig werden. 
 

Für viele Menschen ist der Kaffee zu einer Art Lebenselixier geworden. Einige schaffen es ohne eine Tasse des aufputschenden Getränks weder aus dem Haus, noch sind sie in der Lage dazu, »völlig nüchtern« einen klaren Gedanken zu fassen. Da sich der Körper rasch an Koffein gewöhnt, wird die laut Experten gesunde Menge von maximal fünf Tassen pro Tag schnell mal überschritten. Denn: Wir brauchen immer mehr Koffein, um den gewünschten wachmachenden Effekt zu erreichen. 

Die Entzugserscheinungen sind nicht zu unterschätzen

Wenn das der Fall ist, ist es an der Zeit, den Kaffeekonsum wieder einzuschränken oder für einen gewissen Zeitraum sogar komplett zu stoppen. Wenn du das selbst schon einmal versucht hast, dürftest du schnell festgestellt haben, wie verärgert dein Körper darauf reagiert. Die möglichen Entzugserscheinungen können von innerer Unruhe, Schlafstörungen und Müdigkeit über Kopfschmerzen bis hin zu Seh- und Hörstörungen sowie Despressionen reichen.

Koffeinentzug: Was dabei im Gehirn passiert

Mit einer überhöhten Koffeinzufuhr arbeiten wir im Grunde ständig gegen unseren Körper an. Es gibt verschiedene Rezeptoren im Gehirn – wie die Adenosinrezeptoren – die eigentlich dafür zuständig sind, dass wir uns nicht überfordern und zur richtigen Zeit entspannen. Haben wir im Laufe des Tages ein Tief und trinken Kaffee, obwohl unser Körper eigentlich Entspannung fordert, dockt sich das Koffein in diesem Moment an die Rezeptoren im Gehirn an. Das Resultat: Das Herz schlägt schneller und der Blutdruck erhöht sich. Darüber hinaus kann sich die Konzentration steigern und die Müdigkeit sinken. Indem sich die Blutgefäße verengen, werden außerdem Kopfschmerzen gelindert (weswegen es ja auch koffeinhaltige Kopfschmerztabletten gibt) und die Sauerstoffversorgung der Muskeln wird verbessert. 

 

Genau aus diesen Gründen lieben wir unser Koffein. Doch was uns vordergründig positiv erscheint, bedeutet auch, dass sich der Körper jetzt in einem Zustand des Dauerstresses befindet. Denn während wir uns immer weiter aufputschen, produziert das Gehirn vermehrt Adenosin, um die eigentlich erforderliche Ruhe durchzusetzen. Kommt es jetzt zu einem plötzlichen Entzug, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Botenstoffen und es kommt zu einem Adenosin-Überschuss, der für die oben genannten Entzugserscheinungen verantwortlich ist.

Koffeinentzug: So geht’s

Anstatt von heute auf morgen die gewohnte Koffeinzufuhr vollständig zu beenden, empfehlen Ärzte, die tägliche Menge schrittweise zu reduzieren. Aus den zehn Tassen werden zunächst acht, dann sechs, dann vier – etwa alle 3 bis 4 Tage kann man jeweils einen Schritt runtergehen. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, genügend Wasser zu trinken. Wer den Körper auf gesunde Art und Weise entwöhnen, aber nicht ganz auf Heißgetränke verzichten möchte, kann die Tasse Kaffee auch durch einen Bio-Kräutertee ersetzen.

Wer dennoch mit Kopfschmerzen oder innerer Unruhe zu kämpfen hat, muss sich leider ein wenig gedulden. Die gute Nachricht: Nach zwei Wochen ist der Spuk vorbei. Spätestens dann hat sich der Körper an einen Alltag ohne Koffein gewöhnt.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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