Kinderwunsch: Mehr Unterstützung für Krebspatientinnen

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Michalina auf Unsplash
Eine schwangere Frau hält ihren Bauch
Bis Anfang 2019 mussten junge Krebspatientinnen und -patienten die Kosten für die Konservierung von Ei- und Samenzellen selbst tragen. Durch eine Gesetzesänderung wird das teure Verfahren künftig von den Krankenkassen übernommen.
 

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 16.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 11 und 39 Jahren an Krebs. Wer eine Chemotherapie über sich ergehen lassen muss, muss neben all den unangenehmen Nebenwirkungen auch noch damit rechnen, unfruchtbar zu werden. Die aggressiven Medikamente sowie die Bestrahlung töten im besten Fall alle Krebszellen – im schlimmsten Fall auch noch Haar-, Blut-, Haut- und eben die Keimzellen.

Hohe Kosten ließen den Traum vom Kind platzen

Junge Frauen, die die schreckliche Diagnose erhalten, müssen sich nicht nur mit der Krankheit auseinandersetzen, sondern auch umgehend zukunftsträchtige Entscheidungen fällen. Wer später noch eine Familie gründen möchte, hat die Möglichkeit, in einer Kinderwunschklinik Eizellen einfrieren zu lassen. Nach einer Hormontherapie, die die Eizellen reifen lässt, werden diese unter Vollnarkose aus den Eierstöcken entfernt und anschließend eingefroren.

Für die Medikamente, Untersuchungen und die OP mussten Patientinnen bis zu 5.000 Euro zahlen. Für die Aufbewahrung der Eizellen kommen jährlich noch einmal 300 Euro dazu. Junge Männer kommen zwar insgesamt günstiger weg, weil die Gewinnung von Spermien unkomplizierter vonstatten geht, die jährlichen Kosten für die Kryptokonservierung müssen jedoch auch sie tragen. Insgesamt sind das Summen, die bis Anfang 2019 viele junge Menschen vor eine Herausforderung stellten. 

 

Die Kostenübernahme entlastet Tausende Krebspatientinnen & -patienten

In den letzten Jahren kämpfte die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs zusammen mit zahlreichen jungen Betroffenen für eine Gesetzesänderung zur Kostenübernahme der fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen für junge Krebspatientinnen und -patienten. Die Bemühungen sorgten nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern führten schlussendlich auch zu einer Anpassung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG), in dem unter anderem die Kosten für die Entnahme und das Einfrieren von Keimzellen und Keimzellgewebe neu geregelt ist. »Jeder Patient mit einer Erkrankung, die eine keimzellschädigende Therapie notwendig macht, hat danach Anspruch auf eine Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen oder von Keimzellgewebe sowie auf die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen«, erklärt der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. med. Mathias Freund. Endgültig in Kraft treten soll das Gesetz im Mai 2019.

Der Beschluss stellt einen großen Schritt in Richtung Gerechtigkeit für junge Krebspatientinnen und -patienten dar. Denn um nach einer erfolgreich überstandenen Krankheit wieder ein normales und selbstbestimmtes Leben führen zu können, gehört für viele Menschen die Möglichkeit, eigene Kinder bekommen zu können, einfach dazu. Dass diese Option nun theoretisch jedem offensteht, ist ein wirklich großer Erfolg.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Super Sicher
#1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Ich will auch eine Krypto Konservierung, das ist bestimmt besonders sicher!

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