Hoch die Tassen! Auf Nachhaltigkeit und unsere Umwelt!

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Rawpixel auf Unsplash
Menstruationstassen

Menstruationscups sind voll und ganz im Mainstream angekommen. Und das hat gute Gründe. Denn: Fit ist das neue Schlank, und wer hat schon Lust, beim Sport fette Einlagen oder unzureichende Tampons zu tragen.

 

Jeden Monat ist es wieder so weit: Wenn sich die Periode ankündigt, stocken die meisten Frauen ihren Vorrat an Tampons und Binden auf. Vielen ist jedoch in den letzten Jahren klargeworden, wie viel Müll dabei entsteht. In Zeiten, in denen das Thema Nachhaltigkeit eine zunehmend größere Rolle spielt, lohnt ein Blick auf Alternativen. Eine davon ist die Menstruationstasse. Neu ist der kleine Becher aus weichem medizinischem Silikon nicht. Die Cups wurden 1930 zeitgleich mit den ersten modernen Tampons entwickelt. Anfangs fanden sie jedoch nur wenig Beachtung. In den 80er Jahren erlebten sie zwar ein kurzes Revival, konnten sich aber erneut nicht durchsetzen. Bis jetzt…

DIE MENSTRUATIONSTASSE ALS ALTERNATIVE ZU TAMPONS, BINDEN UND CO.

Während eine Frau laut dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsportal Utopia in ihrem Leben etwa 16.800 Binden und Tampons verbraucht, kann eine Menstruationstasse bis zu 10 Jahre lang verwendet werden. Bei einem Preis zwischen 16 und 50 Euro ist das nicht nur wesentlich günstiger, sondern tut auch der Umwelt gut. Neben dem unzureichenden Komfort, den Tampons und Binden bieten, war genau das der Grund, warum sich Paula für den Umstieg entschieden hat. Die 28-jährige lebt bewusst. Sie achtet zunehmend auf eine gesunde und nachhaltige Lebensweise. Dazu gehört für sie, dass Tampons und Binden künftig nicht mehr in ihrem Einkaufskorb landen: »Ich benutze die Tasse seit ungefähr zwei Jahren. Damals wollte ich dringend etwas ändern und habe mich bewusst im Netz informiert. Bei YouTube bin ich auf ein paar Mädels aufmerksam geworden. Im Video unterhielten sie sich über Alternativen zu Tampons. So bin ich auf die Menstruationstasse gekommen.«

 

SO WIRD DIE MENSTRUATIONSTASSE VERWENDET

Da jede Frau unterschiedlich gebaut und die Periode nicht immer gleich stark ist, gibt es die Menstruationscups in verschiedenen Größen. So fasst eine Tasse zwischen 15 und 40 Milliliter Blut. Die Tasse wird zusammengefaltet und wie ein Tampon längs in die Scheide eingeführt. Hier entfaltet sich das Silikon – es entsteht ein Vakuum. Die Scheidenmuskulatur sorgt dafür, dass die Tasse nicht verrutscht. Beim Einführen haben viele Frauen zu Beginn Probleme. Auch Paula erinnert sich an die Schwierigkeiten – bis die Tasse richtig saß, hat es eine Zeit gedauert: »Anfangs hat es schon gute 10 Minuten gedauert, bis ich den Cup »aufgeploppt« drin hatte. Aber nach fünf Zyklen hatte ich den Dreh raus.« Wenn erst einmal alles richtig sitzt, ist die Tasse nicht mehr zu spüren. Egal, was im Alltag ansteht, und selbst beim Sport oder Schwimmen kann die Menstruationstasse problemlos verwendet werden. »Ich spüre die Tasse so gut wie nie. Einzige Ausnahme ist direkt, nachdem ich sie eingesetzt habe. Aber nach zwei, drei Bewegungen hat sie sich dann selbst in Position gebracht.«

EINE GRÜNDLICHE REINIGUNG IST WICHTIG

Je nach Stärke der Blutung kann die Menstruationstasse bis zu 12 Stunden am Stück getragen werden. Erst dann muss sie herausgenommen werden. Ist die Periode stärker, sollte die Tasse jedoch mehrmals am Tag geleert werden. Indem man sie mit zwei oder drei Fingern zusammendrückt, löst sich das Vakuum. So kann die Tasse leicht entfernt und das Blut in die Toilette gelassen werden. Anschließend sollte die Tasse mit kaltem und heißem Wasser ausgewaschen oder mit einem Reinigungstuch gesäubert werden. Wer eine Seife verwenden möchte, sollte darauf achten, dass der pH-Wert bei 3,5 bis 5,5 liegt, da sonst die natürliche Säure der Vagina gestört werden kann. Ölige Reinigungsmittel sind ebenfalls nicht geeignet: sie zerstören die Oberfläche der Cups. Nach der Säuberung kann die Tasse erneut eingeführt werden. Nach dem Ende der Periode raten die Hersteller, die Tasse zusätzlich auszukochen. Die korrekte Reinigung ist wichtig. Nur so kann garantiert werden, dass durch die Tasse keine unangenehmen Bakterien und Keime entstehen.

 

HIER GIBT ES MENSTRUATIONSTASSEN

Doch wie praktikabel ist die Menstruationstasse eigentlich, wenn man unterwegs oder bei der Arbeit ist? Die Tasse auswaschen, während die Chefin am Waschbecken direkt neben einem steht? Dieses Szenario dürfte für kaum eine Frau infrage kommen. Hier können Reinigungstücher Abhilfe schaffen. Oder man hat einfach eine kleine Wasserflasche dabei, mit der man die Tasse unterwegs direkt über der Toilette abspülen kann. Das ist aber ohnehin nur nötig, wenn die Periode stärker ist. An Tagen mit weniger starker Blutung kommt man gar nicht erst in die Verlegenheit, wie auch Paula berichtet: »Da meine Blutung während der Periode nicht so stark ist, muss ich die Tasse über den Tag hinweg nicht wechseln. Laut Beschreibung kann man sie bis zu 12 Stunden drin lassen und das klappt bei mir auch.«

Wer schon länger eine Menstruationstasse ausprobieren möchte, bisher jedoch zu unsicher war, kann sich beim nächsten Frauenarztbesuch beraten lassen. Vor allem wenn es um die perfekte Größe geht, bekommt man hier nützliche Tipps. Paula hat sich inzwischen ausprobiert. Die Beschreibung von Modell zwei passte eigentlich perfekt zu ihr. Nach dem ersten Tragen musste dann aber doch eine kleinere Tasse her. Seit Kurzem gibt es Menstruationstassen übrigens nicht mehr nur im Netz oder in Apotheken. Das intimste Wellness-Accessoire hat es mittlerweile auch in Drogerien wie dm oder Rossmann geschafft. »Ich benutze die Lunette. Damit habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht und kann sie auch weiterempfehlen. Zu anderen Tassen kann ich bisher leider keine Angaben machen«, erklärt uns Paula zum Abschluss. Marken wie Selena, Merula oder t.o.c lassen sich ebenfalls in der Drogerie finden. 

Im direkten Vergleich geht die Menstruationstasse als klarer Sieger aus dem Ring. Tampons und Binden sind Wegwerfprodukte, die der Umwelt schaden. Zudem beeinflussen sie die Scheidenflora negativ und können sie austrocknen. Speziell Tampons müssen vergleichsweise häufig gewechselt werden, um Infektionen zu vermeiden. Beim Sport oder bei anderen Aktivitäten können sie ebenfalls unangenehm zu spüren sein. Speziell beim Schwimmen ist die Tasse auch sehr viel verlässlicher als ein Tampon. Menstruationstassen haben also definitiv das Potenzial, zu einem treuen Begleiter zu werden, auf den Frauen in Zukunft nicht mehr verzichten wollen.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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