Ein großer Schritt: Hepatitis-B-Viren erstmals besiegt

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Ani Kolleshi auf Unsplash
In der Forschung gab es einen Durchbruch
Es gibt gute Neuigkeiten: Forschern ist erstmals gelungen das Hepatitis-B-Virus zu besiegen. Ob die neugewonnene Erkenntnis auch in Zukunft für Heilung sorgen kann?
 

Anfang Juni wurde in der Zeitschrift Journal of Clinical Investigation eine Arbeit veröffentlicht, die Hoffnung macht: Forschenden des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen des Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und des Universitätsklinikum Heidelberg im Tiermodell erstmals gelungen, eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) zu besiegen. Bislang war es nicht möglich, das Virus vollständig zu kontrollieren. Doch die Arbeit hat gezeigt, dass eine T-Zelltherapie zu einer Heilung führen kann, schreibt das Helmholtz Zentrum München in einer Pressemitteilung. T-Zellen (T-Lymphozyten) sind eine Gruppe von weißen Blutkörperchen, also Bestandteile der Immunabwehr. Sie reifen im Thymus (einer Drüse) aus, daher das »T«.

Hepatitis-B-Virus: 260 Millionen Menschen betroffen

Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus stellen weltweit ein Gesundheitsrisiko dar. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden über 260 Millionen Menschen an einer chronischen Infektion mit dem Virus. Eine Impfung schützt vor einem Ausbruch, doch wer sich beispielsweise bei der Geburt ansteckt und ein chronischer Virusträger ist, kann nicht geheilt werden. Medikamente können aktuell dafür sorgen, dass sich die Viren in den Leberzellen nicht weiter vermehren – eliminiert werden können sie bislang allerdings nicht. Die langfristigen Folgen können Leberkrebs oder Leberzirrhose sein. 

»Eine chronische Hepatitis B ist bislang nicht heilbar. Jetzt konnten wir zeigen, dass die neue Technologie der T-Zelltherapie eine ermutigende Lösung für die Behandlung der chronischen Infektion und den durch das Hepatitis-B-Virus ausgelösten Leberkrebs darstellt, denn diese ›living drugs‹ sind das Wirksamste, was uns aktuell zur Verfügung steht«, erklärt Prof. Dr. Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München, zweier Partnereinrichtungen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung.

 

Hepatitis B: So wird der Virus vernichtet

Für die Studie wurde die genetische Information für HBV-spezifische T-Zellrezeptoren aus Patienten gewonnen. Im Labor kann sie dann in T-Zellen aus dem Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis B eingebracht werden. So entstehen neue, aktive T-Zellen, die das Virus oder virus-induzierte Krebszellen bekämpfen. Bei dem Testversuch in einem hochkomplexen Mausmodell sorgte bereits eine einmalige Verabreichung der künstlich modifizierten T-Zellen dafür, dass infizierte Leberzellen angegriffen, das gesunde Gewebe aber geschont wurde. 

»Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Studie helfen uns, das Potenzial der T-Zell-Therapie weiter zu untersuchen und die klinische Entwicklung mit unseren Partnern voranzutreiben. Damit schaffen wir einen entscheidenden Schritt, diese Form der personalisierten Medizin zu etablieren«, sagt Prof. Protzer. Das Institut wird auch in Zukunft weiter daran arbeiten, dass die Therapie schon bald auch am Menschen angewendet werden kann – und dann steht einer flächendeckenden Heilung von Hepatitis B hoffentlich schon bald nichts mehr im Weg. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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