Gute Vorsätze des Nichttuns: Die Not-to-do-Liste

Words by Jana Ahrens
Photography: Emma Matthews auf Unsplash
Die Not-to-do-Liste

Jetzt kommt die Zeit der guten Vorsätze. Für viele soll 2019 noch erheblich besser, entspannter oder effizienter werden als 2018. Vorsätze – das klingt oft danach, dass noch viel mehr getan werden muss als im Vorjahr. Doch manchmal hilft es mehr, sich ganz klar zu vergegenwärtigen, was 2019 NICHT MEHR gemacht werden sollte. Diese Dinge kommen auf die Not-to-do-Liste.

 

Die Not-to-do-Liste funktioniert ganz wie die altbekannte To-do-Liste. Es geht jedoch eher darum, sich immer mal wieder daran zu erinnern, womit wir unsere so kostbare Zeit verschwenden, unsere Gesundheit gefährden oder uns – ohne es zu wollen – immer mal wieder selber unglücklich machen.

Der Trick dabei ist, dass die Dinge, die nicht mehr gemacht werden sollen, OHNE das Wort »nicht« auf der Liste stehen. So dass der Blick darauf eine kleine Irritation auslöst. Schließlich würde sich ja niemand vornehmen, den Partner oder die Partnerin zu ignorieren oder in der Mittagspause durchzuarbeiten. Genau dieser Effekt – diese in gewisser Hinsicht absurden Ideen aufgeschrieben zu sehen – hilft, sie irgendwann abzulegen.

Dabei wird ganz grob zwischen drei verschiedene Arten von Not-to-do-Listen unterschieden:

So nehmen wir uns vor Etwas nicht zu tun...

Die Prinzipien-Bibel

Diese Not-to-do-Liste ist von der zeitlosen Sorte. Hier werden Themen versammelt, die ganz stark mit dem eigenen Charakter verbunden sind und mit besonders tief verankerten Gewohnheiten zu tun haben. Das heißt, dass es um Vorsätze des Nichttuns geht, die mittel- und langfristig ausgelegt sind. Dazu könnten solche Grundsätze gehören wie »meine Gefühle in mich hineinfressen« oder »mich durch die Meinung anderer verunsichern lassen« oder »versuchen, alles alleine zu machen«. Es handelt sich also um Punkte, die eigentlich nie wirklich abgehakt werden können, sondern immer wieder in den Fokus genommen werden müssen. Mit dieser Not-to-do-Liste heißt es, großzügig zu sein. Eben weil es länger braucht, um die Ziele darauf zu erreichen. Sie ist primär dazu da, im Alltag immer mal wieder an das wirklich Wichtige zu erinnern.

 

Von heute auf morgen

Jeder Arbeitstag hat seine Hochs und Tiefs. Für die Momente, in denen die Konzentrationsfähigkeit sinkt und die nächste Aufgabe viel zu kompliziert erscheint, bietet sich das Schreiben einer kurzfristigen Not-to-do-Liste von heute und für morgen an. Sich Fragen zu stellen wie »Was hat mich heute unnötig viel Zeit gekostet?«, »Worüber habe ich mich heute geärgert?« oder »Habe ich heute etwas sein gelassen und deshalb mehr erreicht?« hilft sehr dabei, diese kurzfristige und sofort anwendbare Liste zu schreiben. Auf dieser Liste können, ganz abgestimmt auf die individuelle Tätigkeit, Punkte stehen wie »den Arbeitstag mit E-Mails-Checken anfangen«, »zwischen 15 und 16 Uhr ans Telefon gehen« oder »kurz vor Feierabend neue Aufgaben übernehmen«.

Tipps von Vertrauten

Oft ist es schwer, zu den eigenen Verhaltensweisen Distanz aufzubauen, um sinnvolle Veränderungen anzugehen. Deshalb kann es sehr hilfreich sein, sich dabei auf das Urteil von Vertrauten zu stützen. Gerade der Jahresanfang ist ein guter Zeitpunkt, um guten Freunden und wohlgesonnenen Familienmitgliedern eine E-Mail zu schicken, die ungefähr so lauten könnte:

Tipps von Freunden und Verwandten können helfen die Liste zu ergänzen

 

Liebe*r ____,

das neue Jahr ist angebrochen, und ich mache mir Gedanken darüber, wie es noch ein bisschen schöner als das Vorjahr werden kann. Dafür wünsche ich mir Deine Hilfe. Wir alle haben Angewohnheiten, die uns nicht mehr auffallen und die uns selber oder anderen das Leben manchmal schwerer machen, als es sein müsste. Ich vertraue Dir und bitte Dich deshalb, mir von den Angewohnheiten zu erzählen, die Dir an mir aufgefallen sind. Gibt es Dinge, die ich dieses Jahr einfach mal NICHT MEHR machen sollte? Schreib sie mir und ich werde sie auf meine brandneue Not-to-do-Liste setzen.

Ich freue mich über freundliches, nützliches Feedback.

 

Dieser Aufruf birgt natürlich ein Risiko. Aber wirklich gute Freunde und wohlgesonnene Menschen werden ihn richtig verstehen und sich vielleicht sogar ein ähnliches Feedback zurückwünschen. Bei den Antworten gilt es dann nur noch zu unterscheiden, welche als Not-to-do in der Prinzipien-Bibel und welche auf der Liste mit täglichem Update landen können.

Habt ihr schon einmal eine Not-to-do-Liste geschrieben und ausprobiert? Wir würden gern wissen, wie es für euch gelaufen ist und freuen uns über Kommentare.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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