Glücklich sein? 5 Weisheiten und was sie bedeuten

Words by Jana Ahrens
Glück
Wie wir gut für uns sorgen könne, darüber gibt es inzwischen viele Bücher und dazu gibt es auch haufenweise Coaching-Angebote. Manche Empfehlungen wiederholen sich mit kleinen Nuancen. Oft wird gar nicht mehr genau erklärt, was die Glaubensätze eigentlich bedeuten sollen. Wir haben uns die Themen noch mal vorgenommen.
 

RAUS AUS DEM KOPF, REIN IN DEN KÖRPER

Für jede Frau bedeutet das “Rein in den Körper” etwas Anderes.

Glück, das klingt immer so nach Psyche und nicht greifbaren Fragen des Schicksals. Aber sich glücklich zu fühlen, das hat auch ganz viel mit unserem Stoffwechsel zu tun und der hat bekanntlich Einfluss auf unseren ganzen Körper. Gesundheit, Wohlbefinden und auch Glück hängen davon ab. Unser Stoffwechsel liebt Bewegung. Stefan Klein hat den Bestseller Die Glücksformel geschrieben und seine intensiven Recherchen haben ergeben:
Wir haben die Vorstellung vom Glück als Dauerfaulenzen am sonnigen Nachmittag im Liegestuhl. Aber das ist leider ziemlich falsch. Es ist leichter, in der Aktivität Glück zu empfinden als im Nichtstun. Das kann sowohl körperliche als auch geistige Aktivität sein.
Stefan Klein selber bewegt sich auch mehr, seitdem er sein Buch abgeschlossen hat.

DER INNERE KRITIKER IST EIN AUFGEBLASENER RECHTHABER

Ja, ja, ja, was der Kopf immer so zu wissen mein

Eine Quelle für garantiertes Unglück hat die Wissenschaft schon vor Jahren ausgemacht: Den inneren Kritiker. Ursprünglich mal dazu gedacht, uns vor ernsthaften Gefahren in der Umwelt und unvorsichtigem Verhalten zu schützen, wird der innere Kritiker in unserer modernen, sicheren, aber fordernden Gesellschaft immer mehr Auslöser von Stimmungschwankungen und ernsthaften Depressionen.
Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht nur die Stimmen in unserem Kopf, die uns kritisieren uneingeschränkt Recht haben. Sie sind genauso ein konstrukt unserer Fantasie wie die schönen Vorstellungen, die wir uns machen. Ist diese Gewissheit einmal eingesunken, können wir uns sehr viel bewusster fürs Glücklichsein entscheiden. Sich auf das Positive im Leben zu konzentrieren ist also kein Selbstbetrug.
Der Glücksforscher Dominik Dallwitz-Wegner sagt auch:
…das Glück trainieren besteht darin, kleine Mosaiksteinchen zu einem großen, wunderbaren Bild zusammenzusetzen.
Das ist eine Methode, die wir unserem immer mosernden inneren Kritiker ziemlich gut entgegensetzen können. Der innere Kritiker zieht übrigens besonders schnell den Schwanz ein, wenn wir ihn verblödeln und uns über seine strengen Zurechtweisungen lustig machen. Einfach mal ausprobieren: Entweder Freunden davon berichten, was unser Kopf uns schon wieder für Verrücktheiten verkaufen will, oder mit verstellter Stimme vor’m Spiegel die Zurechtweisungen wiederholen. Dann verstehen wir viel leichter, dass die innere Kritik ganz schön schlimmer Quatsch sein kann.

VERGLEICHE HINKEN IMMER

Die größte Herausforderung: Mit der Unschärfe des Selbstbildes umgehen lernen.

Wenn wir uns versuchen mit Achtsamkeit und Aktivität mehr Glück im Alltag zu verschaffen, dann gibt einen Aspekt, der uns immer mal wieder die Suppe versalzen möchte: das Vergleichen. Da wir von anderen Menschen immer nur die Außenseite sehen, nur wissen, was sie uns mitteilen und oft nur Ergebnisse und nicht den langen Weg hin zum Ergebnis wahrnehmen, erscheint es uns oft so, als wären alle anderen disziplinierter, schneller, schöner, glücklicher und talentierter als wir selber. Social Media Kanäle verstärken diesen Effekt, selbst wenn uns bewusst ist, dass hier alle Infos gefiltert werden. Eine aktuelle britische Studie hat ergeben, dass Menschen mit mehr als sieben Social Media Accounts ein dreifach erhöhtes Depressions-Risiko haben, als Menschen mit keinem oder nur zwei Accounts.
They warned exposure to highly idealized representations of peers on social media elicits feelings of envy and the distorted belief that others lead happier, more successful lives.
Auch hier ist der Weg zum Glück, öfter mal abzuschalten, den Moment zu genießen oder zu fühlen, was bei Aktivitäten, beim Essen oder beim Meditieren sensorisch in unserem Körper passiert. Diese Neugierde für den Moment wert zu schätzen, statt unser Wirken auf Andere mit ihrem Eindruck auf uns zu vergleichen, macht uns unabhängig und zufrieden.

SPIEGELNEURONEN KÖNNEN UNGLÜCKLICH MACHEN… ODER GLÜCKLICH

Was wir aus Spiegeln machen, ist uns selbst überlassen

Spiegelneuronen haben wir alle. Die Besonderheit dieser Neuronen liegt darin, dass es ihnen egal ist, ob wir selber etwas erleben oder fühlen, oder ob wir die Eindrücke im Verhalten anderer wahrnehmen. Sie reagieren auf dieselbe Art. Das heißt also, dass wir die Gefühle von Menschen, die wir beobachten, auch immer ein kleines bisschen mitfühlen. Die Spiegelneuronen feuern wesentlich weniger intensiv als die anderen, die für unser eigenen Gefühle zuständig sind. Trotzdem heißt das, dass jeder traurige, wütende oder verwirrende Einfluss, den wir um uns herum wahrnehmen, Spuren bei uns hinterlässt. Ob Film, Fernsehen oder Buch, alles wirkt ein kleines bisschen. Warum die Spiegelneuronen so einen Hype unter Wissenschaftlern ausgelöst haben, erklärt der Forscher Christian Keysers:
Die Aufregung war vor allem deswegen so groß, weil man mit den Spiegelneuronen erstmals einen Mechanismus entdeckt hatte, der sich auf die Intersubjektivität auswirkt, darauf, wie wir eine Handlungsplanung mit jemandem teilen können.
Doch diesen Effekt können wir auch umdrehen: Ausgelassene Tobereien mit den Kindern und das Lachen in ihrem Gesicht, alberne Gespräche mit Freunden und die Spiegelung der darin verborgenen Vertrautheit, Komplimente an die Liebsten und die erstaunten Reaktionen darauf: Sie alle hinterlassen kleine, glückliche Spuren in unserem eigenen Kopf.

ABWECHSLUNG IST DER SCHLÜSSEL ZUM GLÜCK – ÜBERRASCH’ DICH SELBER

Na das war jetzt unerwartet, oder?

Das Glückshormon Dopamin liebt Abwechslung, davon wird es ordentlich stimuliert. Das heißt natürlich nicht, dass wir gar keinen Alltag brauchen. Denn auch unsere Hormone sollten ausgewogen getriggert werden. Aber wenn wir spüren, dass unsere Energie durch immer wiederkehrende Aufgaben und sich ständig wiederholende Rituale kontinuierlich nachlässt, dann ist Abwechslung ein toller, schneller Helfer.
Der Hirnforscher Irving Biedermann lässt sich zu diesem Thema wie folgt zitieren:
Im Moment der Erkenntnis von etwas Neuem werden im Gehirn körpereigene Opiate freigesetzt. Dadurch entsteht ein Hochgefühl. 
Besonders gern hat Dopamin die Kombination aus Abwechslung und Herausforderung. Wer also spontan mal in der Mittagspause Laufen geht, statt in’s immer gleiche Stammrestaurant, der kann sich auf eine große Extra-Portion Dopamin freuen.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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