Wie ungesund ist Sitzen wirklich?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Mimi Thian
Großraumbüro mit sitzenden Frauen in der Bildmittel, zwei stehenden Frauen im Bildhintergrund und einem sitzenden Mann am rechten Bildrand

Es ist nichts Neues, dass uns langes Sitzen krank machen kann. Darüber hinaus bestätigen immer mehr Studien: Langes Sitzen am Stück könnte unter Umständen sogar lebensgefährlich sein.

 

Es könnte alles so schön sein: Wir rauchen weniger Zigaretten, trinken weniger Alkohol, ernähren uns ausgewogen und verzichten immer häufiger auf Fleisch. Auch beim Thema Sport sind wir im Großen und Ganzen auf einem guten Weg. Wir achten zunehmend auf eine gesunde Work-Life-Balance, detoxen und gönnen dem Geist seine wohlverdienten Pausen. 

Langes Sitzen fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wenn es jedoch um die Arbeit am Schreibtisch geht, vergessen wir immer wieder gern, wie wichtig es ist, zwischendurch aufzustehen. In den letzten Jahrzehnten sind zu diesem Thema zahlreiche Studien veröffentlicht worden, wie etwa die Metastudie der Universitäten Loughborough und Leicester aus dem Jahre 2011. Diese offenbart, dass Menschen mit sitzenden Tätigkeiten sehr viel häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als Menschen, in deren Beruf Bewegung gefragt ist.

11 Stunden sitzen klingt erstmal viel. Aber mit Arbeitszeit, Pendeln per Auto oder Öffis, sowie abendlichem Entspannen auf dem Sofa, kommen die schnell zusammen.

Mehr Bürobeschäftige sitzen immer länger

Laut einer Studie des ifo-Instituts wird die Zahl der Bürobeschäftigen noch bis ins nächste Jahrzehnt weiter ansteigen. Ein regelmäßiger Gang durchs Büro, zum Beispiel zur Kaffeemaschine oder zum Kopierer, wären dabei für alle eine gesunde Abwechslung, aber oft ist der Stress so groß, dass man viel zu lang am Stück sitzen bleibt. 

 

Nach Feierabend geht es dann häufig ins Auto oder in die Bahn – und nicht etwa aufs Fahrrad oder zu Fuß nach Hause. Und wer dort angekommen ist, gönnt sich nach einem langen Arbeitstag eine Auszeit auf dem Sofa. 

 

Langes Sitzen lässt den Blutzucker steigen

Das Problem: Wie wir wissen, ist der menschliche Körper für das viele Sitzen nicht gemacht. Unsere Vorfahren waren die meiste Zeit ihres Lebens in Bewegung, um sich Nahrung zu beschaffen. Heute führt das ständige Sitzen nicht nur dazu, dass wir immer träger werden und sich unsere Muskeln verkürzen, was die unliebsamen und weitverbreiteten Nacken-, Schulter-, und Rückenschmerzen nach sich zieht. Auch unsere fettverbrennenden Enzyme gehen allmählich zurück und der Blutzuckerspiegel steigt. Bei gleichbleibender oder sogar gesteigerter Kalorienzufuhr verbrennen wir immer weniger Kalorien – heißt: Wir nehmen schneller zu.

Das Sterberisiko steigt

Konkreter wurde in einer australischen Langzeitstudie untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen langem Sitzen und einem einem vorzeitigen Tod gibt. Traurig, aber wahr: Von über 220.000 Teilnehmern hatten diejenigen, die durchschnittlich länger als 11 Stunden am Tag gesessen hatten, ein um 40 Prozent höheres Sterberisiko als diejenigen, die weniger als vier Stunden am Tag sitzend verbracht hatten. Doch dieses Ergebnis ist kein Grund, völlig zu verzweifeln. Wir müssen nur wieder häufiger daran denken, uns auch während der Arbeitszeit zu bewegen. Ein Forscherteam der Brown University hat dafür eine Faustregel aufgestellt und empfiehlt, dass auf eine halbe Stunde Sitzen drei Minuten Bewegung folgen sollten. Und das ist der Gesundheit zuliebe doch eigentlich machbar – oder? 

Umfrage

Was ist Civey? 

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren