Ein Hygieneproblem? So entsteht Scheidenpilz

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: To Van auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Wie entsteht Scheidenpilz?

Scheidenpilz kommt keineswegs selten vor. Etwa drei von vier Frauen sind mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen. Doch wie entsteht er eigentlich?

Scheidenpilz, der auch als Vaginalpilz, Vaginalmykose, Vulvovaginalkandidose, Soorvaginitis oder Soorkolpitis bekannt ist, zählt zu den häufigsten Genitalinfektionen bei Frauen. Auslöser für eine Reihe unangenehmer Symptome ist der Hefepilz Candida albicans, der für die Entzündung der Scheidenschleimhaut verantwortlich ist.

Scheidenpilz: Typische Symptome

Meistens macht sich Scheidenpilz zunächst durch einen starken Juckreiz im Intimbereich bemerkbar. Da sich hinter diesem Symptom allerdings auch eine andere Krankheit verbergen kann, sollte durch einen Besuch beim Frauenarzt abgeklärt werden, worum es sich wirklich handelt. Weiterhin kann es beim Vaginalpilz zu einem Brennen in der Scheide sowie im Schambereich kommen. Jucken und Brennen führen dann wiederum zu einer Rotfärbung und Schwellung. Ebenfalls typisch sind schmerzhafte Hauteinrisse, ein Wundheitsgefühl und vermehrter Scheidenausfluss, der zunächst wässrig bzw. weißgelblich bis weißgräulich ist und anschließend krümelig werden kann. Hin und wieder bilden sich auch kleine Knötchen auf der Haut, und die betroffenen Frauen spüren zunehmend Schmerzen beim Sex und ein Brennen beim Wasserlassen.

Scheidenpilz: So entsteht die Genitalinfektion

Wie bereits erwähnt ist der Hefepilz Candida albicans der häufigste Auslöser von Scheidenpilz. Dieser Hefepilz ist bei acht von zehn Menschen von Natur aus im Körper vorhanden. Anders als man annehmen könnte, entwickelt sich ein Scheidenpilz also meistens nicht durch eine Ansteckung, vielmehr handelt es sich dabei um eine Erkrankung durch körpereigene Hefepilze. Und das kann leicht passieren: Üblicherweise herrscht in der Scheide ein saures, erregerfeindliches Milieu, welches verhindert, dass sich bakterielle Erreger dort ansiedeln oder vermehren können. Doch leider fühlt sich Candida albicans unter genau diesen Bedingungen besonders wohl. Hat der Hefepilz es geschafft, sich anzusiedeln, beginnen die oben genannten Symptome. Scheidenpilz ist also kein Hygieneproblem – im Gegenteil: Übertriebene Intimhygiene, zum Beispiel durch Intimsprays, kann eine Ausbreitung von Candida albicans sogar fördern.

Die Ansiedlung des Hefepilzes kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählt möglicherweise, wie genau die Scheidenflora im Detail zusammengesetzt ist – also aus welchen Milchsäurebakterien (Laktobazillen) sie besteht. Ein maßgeblicher Auslöser kann außerdem eine Veränderung im Hormonhaushalt und die damit einhergehende Schleimhautveränderung sein. Candida albicans besitzt nämlich Rezeptoren für das Geschlechtshormon Östrogen und kann eine Veränderung sofort ausmachen. So kommt es während der Schwangerschaft, der Einnahme der Antibabypille und auch während der Regelblutung zu einem Anstieg des Östrogenspiegels. Häufig leiden auch Frauen in den Wechseljahren unter Scheidenpilz. Zu diesem Zeitpunkt sinkt zwar eigentlich der Östrogenspiegel, doch wenn östrogenhaltige Mittel gegen die auftretenden Wechseljahresbeschwerden eingenommen werden, steigt der Östrogenspiegel entsprechend wieder an und damit auch das Risiko für eine vermehrte Besiedlung durch den Hefepilz.

Scheidenpilz: weitere Ursachen

Ob sich eine Frau mit einem Scheidenpilz infiziert oder nicht, kann auch mit dem Immunsystem zusammenhängen. Ist der Körper und vor allem die Immunabwehr im Intimbereich nicht stark genug, haben Hefepilze unter Umständen ein leichtes Spiel. So können auch übermäßiger Stress, die Einnahme von Antibiotika oder Erkrankungen wie Neurodermitis oder eine Schilddrüsenfehlfunktion mögliche Auslöser sein. Auch wenn man ohne Kondom zwischen Oral-, Anal- und Vaginalsex hin- und herwechselt, kann dies die Verbreitung der Pilze fördern. Übrigens kann auch eine übertriebene Intimhygiene dazu führen, dass sich vermehrt Hefepilze im Vaginalbereich ansiedeln. Gleiches gilt für zu enge Kleidung oder synthetische Stoffe, die für einen übermäßigen Stau an Wärme und Feuchtigkeit verantwortlich sein können und so ein  Milieu schaffen, in dem sich der Hefepilz wohlfühlt.

Wer meint, an Scheidenpilz erkrankt zu sein, sollte die Vermutung am besten sofort von einer Ärztin oder einem Arzt abklären lassen, um eventuell direkt mit einer entsprechenden Therapie beginnen zu können.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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