Downshifting: Finden wir so zu unserem Glück?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Brooke Cagle auf Unsplash
Drei Frauen sitzen vor Laptops und haben Spaß
Unbezahlte Überstunden, arbeiten im Urlaub oder an Krankheitstagen: Für die eigene Karriere nehmen viele Menschen so einiges auf sich. Ein Trend aus den USA – das Downshifting – könnte allerdings dazu führen, dass die Arbeit mehr und mehr in den Hintergrund rückt. 
 

Burnout ist zu einer Volkskrankheit geworden. 2018 gaben in einer Umfrage der pronova BKK neun von zehn Deutschen an, sich von ihrer Arbeit gestresst zu fühlen. Hinzu kommen vermehrt Symptome wie Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen, Lustlosigkeit, Anspannung und Müdigkeit. Jede*r siebte gab sogar an, bei sich selbst die akute Gefahr zu sehen, irgendwann einmal vollkommen auszubrennen. 

Downshifting: Glück ohne materiellen Wohlstand

Wer an diesem Punkt angekommen ist, sollte ganz dringend die Notbremse ziehen. Schnell kann sich aus einem leichten Burnout-Syndrom eine ausgeprägte und sehr ernst zu nehmende Depression entwickeln. Deshalb ist seit Längerem immer wieder von einer ausgeglichenen Work-Life-Balance die Rede, die jeder Mensch versuchen sollte einzuhalten.

Wer hart arbeitet, soll sich im Gegenzug mindestens genauso viel Freizeit gönnen. Beim Downshifting, dem Trend aus den USA, legen wir allerdings noch eine Schippe drauf und verzichten komplett auf eine steile und glänzende Karriere und darauf, das eigene Glück im materiellen Wohlstand zu suchen. Diese bewusste Entscheidung geht häufig mit einer Reduktion der Arbeitszeit, mit einer Veränderung der Tätigkeiten – und entsprechend oft auch mit einem niedrigeren Gehalt einher.

 

Wohlstand vs. Gesundheit?

In dem Kampf »Wohlstand gegen Gesundheit« beißen die meisten Menschen aktuell lieber weiterhin in den sauren Apfel. Denn so einfach es klingt: Den Job zugunsten der eigenen Lebensqualität zu reduzieren, fällt nur den wenigsten leicht. Viele Faktoren müssen bedacht und berücksichtigt werden. Zunehmend selbstbewusster zeigt sich aber die sogenannte Generation Y. Nach den ersten Jahren am Arbeitsmarkt drehen sich Verhandlungen mit dem Arbeitgeber zwar auch um mehr Geld, doch zunehmend auch um mehr Urlaubstage oder um die Möglichkeit zu einer Vier-Tage-Woche. Teilzeitstellen, Home-Office und Vertrauensarbeitszeit oder aber auch die Möglichkeit zu vorübergehenden Auszeiten, den sogenannten »Sabbaticals« sind ebenfalls Kriterien, die bei der Jobauswahl eine immer größere Rolle spielen.

Und wer weiß: Wenn die Generation Y sich mit ihren Wünschen und Forderungen durchsetzen kann, wird ein selbstbestimmteres Arbeitsleben mit genügend Muße im Privatleben ja vielleicht irgendwann die neue Normalität. Und Downshifting erübrigt sich dann von selbst…

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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