Deine Schlafposition hat viele Auswirkungen

Words by Dr. Michael J. Breus
Photography: Zohre Nemati
Frau mit roten, langen Haaren lässt die Arme über eine Sofalehne baumeln und schläft auf dem Bauch.
Wie wirkt sich deine Schlafposition auf deine Gesundheit, deine Träume und deine Persönlichkeit aus? Wir alle haben eine Lieblingsschlafposition – die Position, in die wir uns am Ende eines langen Tages einkuscheln, ohne auch nur darüber nachzudenken. Welches ist deine? Ich schlafe am liebsten auf dem Bauch (schlimm, ich weiß), aber meistens liege ich dann doch auf der rechten Seite, weil da meine Französische Bulldogge vor sich hin schnarcht.
 

Die Position, die wir zum Schlafen einnehmen, hat vielfältige Auswirkungen auf den Körper. Überleg doch mal: Du verschläfst etwa ein Drittel deines Lebens – das heißt, dass du ein Drittel deiner Zeit relativ bewegungslos in einer von wenigen Schlafpositionen zubringst.

 

Diese Schlafpositionen können sich darauf auswirken, wie gut und wie viel wir schlafen, und auch unsere Gesundheit beeinflussen. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die Schlafposition auch Auswirkungen auf unsere Träume hat –  sogar von einem Zusammenhang mit unserer Persönlichkeit ist die Rede. 

Am besten ist eigentlich immer die Position, die man am bequemsten empfindet, jedenfalls so lange sie einem auf Dauer keine Schmerzen verursacht (insbesondere Rücken- oder Nackenschmerzen).

Faktoren, die die Schlafposition beeinflussen  

Wenn wir uns Gedanken über Schlafpositionen machen, denken wir zunächst einmal an Bequemlichkeit. Welche Position man bevorzugt, ist höchst individuell. Du findest es vielleicht erdrückend, auf dem Bauch zu schlafen, während dein*e Bettpartner*in darauf schwört. Oder du findest nichts gemütlicher, als dich einzurollen und zum Schlafen die Embryonalhaltung einzunehmen, von der sich wiederum dein*e Bettpartner*in eingeengt fühlt. 

 

Bequemlichkeit ist ein wichtiger Aspekt, aber es nicht der einzige. Es gibt andere, weniger offensichtliche Faktoren, die beeinflussen, für welche Schlafposition wir uns entscheiden. 

 

Alter Je älter wir werden, desto eher tendieren wir im Schlaf zur Seitenlage. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Vorliebe für die Seitenlage im jungen Erwachsenenalter einsetzt und im Laufe der Zeit noch weiter zunimmt. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass sich bei älteren Erwachsenen das Schlafen auf der rechten Seite durchsetzt. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Vorliebe für die rechte Seitenlage bei älteren Erwachsene die Herzfunktion während des Schlafs schützt – aber die Wissenschaftler sind sich nicht ganz sicher, ob diese Erklärung wirklich stimmt. 

Mit zunehmendem Alter bewegen wir uns nachts auch insgesamt weniger, wechseln weniger häufig die Position, sondern verharren länger in der einen Schlafposition, bevor wir zur nächsten wechseln. Studien haben gezeigt, dass Kinder im Schlaf mehr als doppelt so häufig ihre Schlafposition ändern als Erwachsene über 65. Alle, die ein Kind bei sich im Bett schlafen haben, wissen, wie sehr da was dran ist.

Überhaupt wird der Schlaf mit zunehmendem Alter wichtiger. Ältere Erwachsene haben häufiger gesundheitliche Probleme, unter anderem Schlafprobleme. Ältere Körper sind nicht mehr so biegsam und anfälliger für Steifigkeit und Schmerzen. Mit zwanzig denken die Wenigsten über ihre Schlafposition nach. Aber ab 40 oder 50 kann sich die Schlafposition erheblich darauf auswirken, wie bequem und wie tief man schläft. 

Was das Geschlecht mit der Schlafposition zu tun hat

Was ihren Schlaf betrifft, haben Männer und Frauen oft unterschiedliche Vorlieben und Bedürfnisse. Das gilt auch für die Schlafposition. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Frauen doppelt so häufig die Embryonalstellung bevorzugen wie Männer. 

In der Schwangerschaft kommt der Schlafposition eine besonders wichtige Bedeutung zu. Schwangeren Frauen wird empfohlen, die Rückenlage zu vermeiden und stattdessen auf der Seite zu schlafen. Laut der American Pregnancy Association ist es während der Schwangerschaft besonders günstig, auf der linken Seite zu liegen, weil sich dadurch die Versorgung der Plazenta mit Blut und Sauerstoff verbessert. Dir Rückenlage kann bei schwangeren Frauen zu Rückenschmerzen, Atembeschwerden, Sodbrennen, einem niedrigen Blutdruck und Kreislaufproblemen führen. 

Wie du gleich lesen wirst, gibt es eine ganze Menge gesundheitlicher Faktoren, die sich darauf auswirken, welche Schlafposition jeweils die günstigste ist. 

Schlafposition, Persönlichkeit und Träumen

Jetzt kommt ein ziemlich lustiger und interessanter Bereich der Wissenschaft. Es ist noch nicht viel dazu geforscht worden, aber einige Wissenschaftler und Experten für Körpersprache haben untersucht, welche Zusammenhänge es zwischen Schlafposition und Persönlichkeit gibt: Angeblich lassen sich aus der Schlafposition Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, unsere Gemütsverfassung und unsere Lebenseinstellung ziehen. 

Die Rückenlage deutet auf ein großes Selbstbewusstsein hin. Rückenschläfer sind angeblich stur und stellen hohe Erwartungen an sich selbst und andere. Auch die Armposition kann relevant sein: Wer die Arme im Schlaf seitlich eng am Körper hält, ist eher zurückhaltend reserviert, wer nachts hingegen alle Viere von sich streckt, hingegen eher entspannt und aufgeschlossen.

Die Bauchlage wird mit Defensivität sowie mit Perfektionismus und Kritikunfähigkeit in Verbindung gebracht. Wissenschaftler sind der Ansicht, dass Bauchschläfer tendenziell darunter leiden, sich überfordert zu fühlen und nicht ausreichend Kontrolle über ihr Leben zu haben. 

Die Seitenlage (die übrigens sehr weit verbreitet ist) deutet auf eine gelassene, aufgeschlossene und kompromissbereite Persönlichkeit hin. Hier gibt es ergänzende Faktoren, die sich zusätzlich auf den Charakter, die Lebenseinstellung und das Verhalten auswirken können: So können zusätzliche Rückschlüsse daraus gezogen werden, ob man auf der rechten Seite (wahrscheinlich Raucher, hoher Koffeinbedarf) oder auf der linken Seite (kreativ, hoher Bildungsgrad) schläft, ob man dabei die Arme eng am Körper hält (vertrauensvoll bis leichtgläubig, möglicherweise geistig unflexibel) oder eher mit ausgestreckten Armen schläft (hohe Ansprüche an sich selbst und an andere, möglicherweise misstrauisch, auch neugierig auf die Welt). 

 

Wenn du Seitenschläferin bist und häufig schlecht träumst, solltest du dich vielleicht mal auf die andere Seite legen.

 

Die Embryonalhaltung wird von der Forschung mit Sensibilität und Ängstlichkeit sowie dem Wunsch nach Geborgenheit in Verbindung gebracht. Wer sich nachts einrollt, ist wahrscheinlich gewissenhaft und gut organisiert und neigt dazu, zu lange über alles nachzudenken. Embryonalschläfer sind zunächst schüchtern und zurückhaltend, hinter ihrer Reserviertheit verbirgt sich aber ein warmes Herz. 

Und was ist mit den Träumen? Untersuchungen lassen vermuten, dass sich die Schlafposition auch darauf auswirkt, wie und was wir träumen. Wenn du Seitenschläferin bist und häufig schlecht träumst, solltest du dich vielleicht mal auf die andere Seite legen. Auf der rechten Seite wird man nämlich weniger häufig von Albträumen heimgesucht als auf der linken. Auch Rückenschläfer träumen häufiger schlecht – darüber hinaus gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass sie sich weniger gut an ihre Träume erinnern können. Bauchschläfer träumen lebhafter und intensiver –  und in ihren Träumen dreht es sich häufiger um Sex. Gleichzeitig kommt es bei ihnen häufiger vor, dass sie in ihren Träumen bewegungsunfähig oder -eingeschränkt sind. 

 

Im Original von Michael J. Breus, Ph.D., DABSM (Diplomate of the American Board of Sleep Medicine).

Aus dem Englischen übersetzt von Lea Cyrus.

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Die Vor- und Nachteile der häufigsten Schlafpositionen 

Die Schlafposition ist ganz klar eine Sache der Vorliebe. Aber damit ist es noch lange nicht getan. Im Folgenden erfährst du, wie deine Schlafposition deiner Gesundheit und deinem Schlaf unter Umständen hilft, in wie fern sie aber auch schaden kann. 
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Dr. Michael J. Breus ist klinischer Psychologe und Mitglied des American Board of Sleep Medicine und Fellow der American Academy of Sleep Medicine.  Er hat die Fachprüfung mit 31 Jahren abgelegt und gehört damit zu den jüngsten Absolventen überhaupt. Mit seiner Spezialisierung auf Schlafstörungen ist er einer von nur 168 Psychologen weltweit mit dieser besonderen Qualifikation

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