Corona-Krise: So verwundet ist die Wirtschaft schon jetzt

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: CDC auf Unsplash
Lesezeit: 6 Minuten
Das Coronavirus legt mehr und mehr die Wirtschaft lahm

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus und stellt dabei nicht nur eine Gefahr für unsere Gesundheit dar. Auch die wirtschaftlichen Folgen nehmen bereits jetzt ungeahnte Dimensionen an.  

Hätten wir damit rechnen müssen? Als Ende 2019 die ersten Fälle des neuartigen Coronavirus bekannt wurden, wiegten wir uns in Sicherheit. PolitikerInnen und GesundheitsexpertInnen riefen uns immer wieder zur Ruhe auf – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte Anfang des Jahres noch, dass Deutschland vor einer unkontrollierten und exponentiellen Verbreitung des Virus sowie weiteren Folgen sicher sei. 

Heute, nur wenige Wochen später, sieht das alles ganz anders aus: Wie das Robert-Koch-Institut mitteilt, sind bundesweit derzeit über 6000 Menschen mit dem Virus infiziert – aktuell gibt es in Deutschland 13 registrierte Todesfälle (Stand: 17. März 2020). Und auch die Folgen für die Wirtschaft sind bereits mehr als deutlich spürbar: Innerhalb weniger Wochen sind offensichtlich zu erkennende Wunden entstanden, die nicht nur die deutsche, sondern auch die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken bringen. Nach einem Kursrutsch an den US-Börsen wurde am 9. März kurzzeitig sogar der Handel ausgesetzt. Der deutsche Leitindex (DAX) verlor an diesem Tag zeitweise acht Prozentpunkte – das ist der größte Tagesverlust seit dem 11. September 2001! Kein Wunder also, dass auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft bereits von 2,9 auf 2,4 Prozent heruntergesetzt hat. Damit steht fest: Rosige Zeiten stehen uns nicht bevor.

Weltweit werden MitarbeiterInnen gebeten im Home Office zu bleiben.

Coronavirus: Auswirkungen auf kleine und große Unternehmen sind enorm

Was wir in den letzten Tagen beobachten mussten, verdeutlicht den Ernst der Lage, denn aufgrund des Coronavirus wurden reihenweise Großveranstaltungen wie etwa Messen abgesagt. Selbst Restaurants, Bars, Clubs, Kinos, Museen und Geschäfte, ohne Waren des täglichen Bedarfs, müssen geschlossen bleiben.  Zudem wurden aus Sicherheitsgründen Kitas und Schulen geschlossen. Zudem sind zahlreiche Lieferketten gefährdet. Diverse Versandhändler bereiten ihre KundInnen auf Lieferengpässe und längere Wartezeiten vor. Immer mehr Produktionen verlangsamen sich oder kommen gänzlich zum Stillstand. Vor allem Firmen, die mit China Geschäfte treiben, haben besonders unter der aktuellen Situation zu leiden. 

Gegenüber »Berlin direkt« erklärte Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel: »Es wird also nicht so viel produziert, wie das ohne den Virus der Fall wäre – das ist die eine Seite, die kleinere Seite. Und die zweite, größere Seite spielt sich über die Psychologie ab. Dass Menschen sagen, ich wäre jetzt gern mit meiner Frau essen gegangen, aber ich habe Angst, mich anzustecken. Aus diesem Grund werden derartige Konsumausgaben unterlassen. Beides zusammen drückt auf das Wachstum.«

Viele ArbeitnehmerInnen sind in diesen Tagen zudem um ihre Arbeitsplätze besorgt. Die Rede ist von Home Office, Kurzarbeit, Zwangsurlaub oder sogar Kündigungen. Um die Ausbreitung des Virus weiter einzudämmen, zog unter anderem auch Apple-Chef Tim Cook weitreichendere Konsequenzen. Nach Kalifornien und Seattle sind nun auch die Büroangestellten in Deutschland, Japan, Südkorea, Italien, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien dazu angehalten, ab sofort von zu Hause aus zu arbeiten. Weiterhin möchte das Unternehmen dafür sorgen, dass bei allen Tätigkeiten, die nicht aus der Ferne erledigt werden können, so wenig Menschen wie möglich zusammenkommen. Schulungen sollen beispielsweise an verschiedenen Orten und mit weniger Personen stattfinden. 

Alle Airlines müssen einen Großteil ihrer Flieger am Boden lassen…

Coronavirus: Die Flugbranche rechnet mit Milliardenverlusten

Und auch immer mehr Reisen werden storniert, denn Hotels im In- und Ausland dürfen nun nicht mehr besucht werden. Wie hoch die Verluste für die Tourismusbranche insgesamt ausfallen werden, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer beziffern. Dass es sich um Milliarden handeln dürfte, scheint jedoch gesetzt. Genauso betroffen ist ganz klar auch die Luftfahrtbranche – immer mehr Flüge werden gecancelt und Flieger am Boden deponiert – inzwischen ist der Personenflugverkehr beinah vollständig zum Erliegen gekommen. So kündigte die Lufthansa-Gruppe zuletzt an, in nächster Zeit über die Hälfte ihrer Flüge streichen zu wollen. Mit dieser Maßnahme sollen die finanziellen Folgen des Nachfragerückgangs verringert werden. Trotz weiterer geplanter Maßnahmen wie einem Einstellungsstopp sowie Sparmaßnahmen bei Sachkosten und Projektbudgets, müsse das Unternehmen mit einem Verlust von mehreren Hundert Millionen Euro rechnen. Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: »Unsere Unternehmen passen mit großen Anstrengungen ihr Flugangebot an die einbrechenden Buchungen an, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen und Arbeitsplätze zu sichern.« Dennoch, so heißt es weiter, sei der zu erwartende Schaden für die gesamte Branche immens. Die britische Fluggesellschaft Flybe hat bereits Insolvenz angemeldet und am 5. März bekanntgegeben, ihren Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. Es bleibt zu hoffen, dass anderen Airlines solch drastische Konsequenzen erspart bleiben.

Coronavirus: Fußballspiele in Deutschland werden abgesagt

Uneinigkeit herrschte lange Zeit beim Thema Fußball. Während die Spiele in anderen Ländern wie Italien und Spanien frühzeitig vollständig abgesagt wurden, diskutieren DFB und DFL noch länger über eine angemessene Vorgehensweise. Der Grund: Ausfälle seien organisatorisch nicht machbar. Auch hier spielte natürlich die wirtschaftliche Komponente eine Rolle. Leere Stadien und hochqualifizierte und -bezahlte Fußballstars im Zwangsurlaub? Das schien bis zuletzt keine Option zu sein. Immerhin setzten allein die Erstligaklubs in der gesamten Saison zuletzt 520 Millionen Euro mit Eintrittskarten und der Gastronomie um. Geld, dass künftig fehlen wird. Denn inzwischen ist klar: Die UEFA verlegt die Fußball-EM offiziell auf Sommer 2021 und viele Partien werden ausgesetzt und verschoben. 

Coronavirus: Welche Maßnahmen die Bundesregierung ergreift

Die Bundesregierung betont, alles dafür tun zu wollen, um die Schäden für Unternehmen und ArbeitnehmerInnen so gering wie möglich zu halten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte bei einem Pressetermin in Berlin: »Die Botschaft an all die vielen mittelständischen Unternehmen im Messe- und Gastronomiebereich ist: Wir lassen euch nicht im Stich, wir werden euch helfen, diese schwere Zeit zu überbrücken. Wir sind aber auch darauf vorbereitet, die Wirtschaft insgesamt zu unterstützen, wenn dies im weiteren Verlauf notwendig würde. Und darüber werden wir uns zu gegebener Zeit verständigen.«

Was bereits feststeht, ist, dass der Koalitionsausschuss unter anderem die Hürden für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich senken wird. Mit dieser Maßnahme sollen Kündigungen vermieden werden. Muss ein Unternehmen Kurzarbeit anordnen, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Zudem sollen Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden den ArbeitgeberInnen voll erstattet werden. All dies gilt übrigens bereits, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind – bisher mussten es mindestens 30 Prozent sein. Zudem sollen für besonders betroffene Unternehmen zügig Überbrückungskredite zur Verfügung gestellt werden. Auch Steuererleichterungen für Unternehmen und die vorzeitige Soli-Abschaffung sind im Gespräch. 

Wie notwendig diese Maßnahmen sind, betonte nun auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher. In einem offiziellen Statement erklärte er: »Vor allem Deutschland wird einen hohen Preis für die Ausbreitung des Virus auf Europa zahlen, denn die Wirtschaft hierzulande ist vom Handel viel abhängiger, als dies die meisten anderen europäischen Länder sind. […] Mit der Verbreitung des Virus wird nun ein wirtschaftlicher Schaden für Europa und Deutschland unausweichlich sein. Ich erwarte, dass das Wachstum in Deutschland sich im ersten Quartal merklich abschwächen wird und dass ein Aufholeffekt – nachdem das Virus unter Kontrolle gebracht werden kann – den wirtschaftlichen Schaden nur teilweise wird kompensieren können.«

Welche Folgen das Virus am Ende tatsächlich auf die deutsche Wirtschaft haben wird, kann auch Fratzscher nur schwer beziffern. Doch vermutet er, dass wir uns leider auf einiges gefasst machen müssen: »Durch die Ausweitung des Virus multipliziert sich der Schaden für die deutsche Wirtschaft, denn nun bricht nicht nur die Nachfrage in China weg, sondern möglicherweise auch in Europa. Über die Hälfte der deutschen Exporte geht nach Europa, sieben Prozent gehen nach China. Das Virus trifft die deutsche Wirtschaft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn wegen globaler Handelskonflikte, des Brexits und der Probleme der Automobilbranche ist die deutsche Wirtschaft eh schon angeschlagen und im vergangenen Jahr nur knapp einer technischen Rezession entgangen.«

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus…

So reagiert die Welt auf den Virus

Und wie sieht es im Rest der Welt aus? Andernorts wurden ebenfalls kurzfristige Maßnahmen getroffen, um Unternehmen und betroffene Regionen zu entlasten. So senkte China den Leitzins und kündigte Steuersenkungen und Finanzhilfen an. 

In Hongkong erhielten alle dauerhaft gemeldeten BewohnerInnen umgerechnet 1180 Euro ausgezahlt, um die Krise besser überstehen zu können. 

Das überschuldete Italien, das inzwischen mehr als 230 Todesfälle verzeichnet, gab bereits 7,5 Milliarden Euro aus dem Haushalt frei. Ein Teil des Geldes soll an betroffene Unternehmen und Familien ausgezahlt werden. Wie Ministerpräsident Giuseppe Conte inzwischen bekannt gab, werden hier ab sofort für mindestens zwei Wochen alle Geschäfte – bis auf Apotheken, Lebensmittelläden und Supermärkte –  geschlossen. 

Neben den Brexit-Folgen geht nun auch die Corona-Krise nicht spurlos an Großbritannien vorüber. Als Reaktion senkte die britische Notenbank bereits ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr. ExpertInnen gehen fest davon aus, dass die Bank of England ihren Leitzins weiter senkt, um die negativen Folgen noch besser abfedern zu können. 

Zuletzt senkte auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins um einen halben Prozentpunkt. Anschließend schloss sich auch die kanadische Zentralbank an und nahm ebenfalls eine Senkung vor. Indes hat US-Präsident Donald Trump einen 30-tägigen Einreisestopp für EuropäerInnen verhängt. 

Das Coronavirus hat uns fest im Griff – ein Griff, aus dem wir uns voraussichtlich in den kommenden Wochen und  Monaten nicht so leicht werden befreien können. Das Virus kennt keine Grenzen und wird sich Prognosen zufolge immer weiter ausbreiten. Doch um der Situation weiter Herr zu werden gilt in diesem Fall: Je langsamer die Ausbreitung vorangeht, desto besser. 

Coronaviren wurden erstmals Mitte der 60er Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere. Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS). In der Vergangenheit waren schwere, durch Coronaviren verursachte Krankheiten wie SARS oder MERS zwar weniger leicht übertragbar als Influenza, aber sie haben dennoch zu großen Ausbrüchen geführt, zum Teil in Krankenhäusern.  Quelle: Robert-Koch-Institut; Stand: 24.01.2020

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

5 Kommentare

Ch.
#5 — vor 1 Monat

Dienstag, 28. April 2020
Zweifel an Aufwand und Nutzen
Regisseur Frank Castorf hält Corona-Maßnahmen für übertrieben




Der Theaterregisseur Frank Castorf hält die Corona-Maßnahmen für überzogen. »Mich stört in der momentanen Krise der Grad der Ideologisierung«, sagte der 68-Jährige dem »Spiegel« laut Mitteilung vom Dienstag.
Castorf äußerte Zweifel daran, »dass im Augenblick der Nutzen dem Aufwand entspricht«. »Wenn die Deutschen jetzt anfangen, aufgehetzt durch ihre Regierung, nicht bloß sich selbst dauernd gegenseitig zu erziehen, sondern die ganze Welt, dann finde ich das unverschämt.«
»Ich möchte mir von Frau Merkel nicht mit einem weinerlichen Gesicht sagen lassen, dass ich mir Hände waschen muss«, kritisierte der Theatermacher. »Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung.« Er selbst sei Fatalist und habe keine Angst vor dem Tod. »Wenn ich todkrank werde, werde ich sagen: Es war ein gutes Leben, ich habe gekämpft.«
Außerdem offenbaren die Corona-Maßnahmen nach Castorfs Ansicht Schwachstellen der deutschen Politik und Wirtschaft. Noch immer bekomme nicht jeder einen Test, der sich testen lassen wolle. Es gebe kaum Desinfektionsmittel. »Ich finde, das ist ein bisschen schwach für einen Exportweltmeister«, sagte Castorf, der bis 2017 Intendant der Berliner Volksbühne war
Ch.
#4 — vor 1 Monat
Welcher Artikel ist hier von Ihnen mit realistisch maßvoll gemeint? Sie meinen doch nicht allen ernstes ihrer Einschätzung nach, den des Robert Koch Institutes? Oder wen oder was meinen Sie jetzt? Sie können doch nicht solch ein Statement hier abgeben, nachdem lediglich nur die eine Einschätzung des immer selben Institutes hier und anderswo der Öffentlichkeit dargelegt wird. Gibt es in der ganzen Presse nur noch das Einheitsgewäsch weniger selbst ernannten Experten, die das ewige Dogma des Lockdowns vor sich her trommeln, bis es in unserem Hirn als einzige Möglichkeit und Wahrheit implantiert ist. Wo sind die Stimmen der vielen vielen anderen namenhaften Ärzten, Wissenschaftlern und Forschern. Wo findet hier tatsächlich die Abwägung von vielen unterschiedlichen Auffassungen und fachlichen Kompetenzen statt? Wo denn? Wenn es in den Jahren zuvor um Vergleiche bei anderen wichtigen Themen ging, hat die Politik gern auf andere Länder verwiesen. Schaut mal her die machen das so oder so. Jetzt werden alle anderen im Vergleich als ungeeignet und leichtsinnig dargestellt, siehe Schweden. Der immense wirtschaftliche Schaden, abgesehen von den noch nicht gezählten Toten die damit einhergehen und der verfassungswidrigen Eingriffe in unsere demokratische Grundordnung. Heute am 28.04 hat man nichts besseres zutun als uns über sämtliche Medien die anstehenden Neuregelungen zu Verkehrsverstößen, trotz Lockdowns einzuhämmern. Trotz der bekannten Statistik, das die Anzahl der wirklichen Raser in Deutschland unter 1% Prozent liegt. Supergau, das nenne ich ein wahnsinnigen, realistischen, maßvollen Beitrag zur Lösung von Problemen, die wir hier in Deutschland zur Zeit haben. Politik par excellence. Dafür sollten verantwortliche Minister und Abgeordnete eine Bonuszahlung bekommen. Nur noch Angst, Panikmacherei und destruktive Politik. das muss aufhören, so schnell wie möglich.
Ch.
#3 — vor 1 Monat 1 Woche
Covid-19: Regierungen weltweit bauen in der Corona-Krise die Demokratie ab

Im Kampf gegen Covid-19 regieren Staatschefs weltweit mit Notstandsgesetzen und Sonderregelungen. Politiker mit autokratischen Neigungen nutzen die Krise als Vorwand, um ganz andere politische Ziele durchzusetzen.

Ob in alten Demokratien wie Großbritannien oder in autoritären Staaten wie Jordanien, weltweit haben Parlamente ihre Regierungen in der Coronakrise mit Sonderrechten ausgestattet. Führende Politiker sollen effizient gegen die Epidemie vorgehen können. Dafür gaben die Bürger fundamentale Grundrechte auf, etwa, sich frei zu bewegen, sich zu versammeln, ihre Meinung frei zu äußern.
Jetzt stellt sich heraus, dass die Notstands-Ermächtigungen wohl keineswegs überall automatisch aufgehoben werden, wenn die Gefahr von Covid-19 gebannt sein wird. Meist fehlen klare Mechanismen, wie den Regierungen ihre Machtfülle wieder entrissen werden kann.


Eine echte Diktatur
In Ungarn beispielsweise hat praktisch nur noch einer die Befugnis, die alten Rechte wiederherzustellen: Premierminister Viktor Orban. Kritiker warnen, der Rechtspopulist könnte das Land in eine echte Diktatur verwandeln.
Je länger die Krise anhält, desto eher verfestigen sich die neuen Normen. So war es nach den Attentaten in den USA vom 11. September 2001, als der Kongress unter Präsident George W. Bush umfassende Maßnahmen zur Terrorbekämpfung beschloss, den sogenannten Patriot Act. Weite Teile davon sind nie mehr zurückgenommen worden.
Droht mit der Coronakrise also die Verbreitung einer zweiten, ganz anderen Epidemie, einer Art politischen Seuche? Werden Regierungen nach Ende der Bedrohung mit repressiven und autoritären Maßnahmen weiter regieren? Welche Politiker nutzen die Krise jetzt schon aus, um insgeheim eigene autoritäre Gelüste durchzusetzen?
In Hongkong zieht die Pekinger Zentralregierung den Druck gegen die demokratische Opposition deutlich an. Erst vergangenes Wochenende nahm die Polizei gleich 15 ihrer prominentesten Vertreter fest, darunter den einflussreichen Verleger Jimmy Lai und den von vielen Hongkongern respektvoll »Vater der Demokratie« genannten 81-jährigen Anwalt Martin Lee. Die Festgenommenen hätten nicht genehmigte Versammlungen organisiert oder daran teilgenommen und würden strafrechtlich verfolgt, heißt es von der Polizei.

Die Angst vor Ansteckung nutzen
Im September stehen Wahlen zu Hongkongs Legislativ-Rat an. Wenn die Festgenommenen zu Freiheitsstrafen von mehr als drei Monaten verurteilt werden, dürfen sie nicht mehr kandidieren, erklärt der Aktivist und vormalige Parlamentarier Lee Cheuk-yan. Auch er wurde am Samstag kurzzeitig verhaftet.
Auf die Verhaftungen hätte die Protestbewegung vor Ausbruch der Pandemie wohl mit neuerlichen Demonstrationen reagiert. Nun nutzten die Mächtigen in Hongkong und Peking die Befürchtung der Hongkonger, sich zu infizieren, sagt ein Oppositioneller: »Das ist jetzt eine goldene Gelegenheit für sie.«
In der Türkei verschärft sich die politische und wirtschaftliche Krise. Mitte April beschloss das Parlament ein Gesetz, um das Land angeblich vor wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu schützen. Dabei wurde der sogenannte Staatsfonds von Auflagen befreit und weitgehend der Kontrolle durch den Rechnungshof entzogen. Der Fonds wird seit 2018 von Präsident Recep Tayyip Erdogan und dessen Schwiegersohn gemanagt. Sein Umfang wurde zuletzt 2017 auf 40 Milliarden Dollar beziffert. Inzwischen scheint der Staatsfonds vor allem Unternehmen zu finanzieren, deren Eigentümern dem Präsidenten nahestehen.

Corona-Schutz für Gefolgsleute im Knast
Zum Schutz vor Corona soll fast ein Drittel der Gefangenen des Landes entlassen werden. »Allerdings ist dieses Gesetz extrem ungerecht«, sagt Türkei-Expertin Sinem Adar vom Centrum für angewandte Türkeistudien (CATS) der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Freigelassen werden Kriminelle und Mafiosi, manche mit guten Verbindungen zu den Rechtsextremen, dem Juniorpartner in Erdogans Regierungskoalition. Die rund 50.000 politischen Häftlinge,
Journalisten, Politiker und Menschenrechtler, dagegen bleiben in Haft.

In Israel profitiert niemand mehr von Covid-19 als der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Eine terminierte Anhörung vor Gericht wegen massiver Korruptionsvorwürfe gegen ihn wurde verschoben. Der Premier hatte vorsichtshalber die Gerichte für zwei Monate schließen lassen - im Namen neuer Hygieneverordnungen.
Säuberungskampagne ohne Widerstand
US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner nutzen den Corona-Notstand, um kontroverse Anliegen durchzudrücken, die sonst an öffentlicher Kritik oder am demokratischen Repräsentantenhaus scheitern würden. Da auch der Kongress in den USA vorerst nicht tagt, fallen Anhörungen aus, mit denen die Ausschüsse solche Vorhaben sonst kontrollieren.
So setzt Trump seine interne Säuberungskampagne gegen missliebige Watchdogs fort. Er feuerte den Generalinspekteur der Geheimdienste, Michael Atkinson, der den Whistleblower-Bericht zur Ukraineaffäre weitergegeben hatte. Das Dokument belegte, wie der Amerikaner seinen ukrainischen Amtskollegen, Staatschef Wladimir Selensky, unter Druck setzte. Trump stellte auch den kommissarischen Generalinspekteur des Pentagons, Glenn Fine, kalt, der die staatlichen Coronahilfen überprüfen sollte.

Während die Amerikaner mit der Coronakrise und Existenzangst abgelenkt sind, lockert die US-Regierung Gesundheits- und Umweltvorschriften - zu Gunsten der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. So erließ die Umweltbehörde EPA jetzt eine neue Regel, die es Raffinerien und Kohlekraftwerken erleichtert, Quecksilber und andere Schadstoffe abzulassen.
Die Macht zementieren
In Texas, Ohio, Iowa, Alabama, Oklahoma und Tennessee verbieten die Regierungen »vorübergehend« legale Abtreibungen. Sie seien keine »notwendigen« Eingriffe und gefährdeten die Ärzte. Abtreibungsbefürworter fürchten, dass die Maßnahmen dauerhaft sein und vor allem ländliche Kliniken in den Ruin treiben könnten.
Boliviens Interimspräsidentin Jeanine Añez nutzt die Coronakrise, um ihre Macht dauerhaft zu zementieren. Nach dem Sturz des gewählten Staatschefs Evo Morales im November sollte Añez am 2. Mai Präsidentschaftswahlen abhalten. Nun hat die Provinzpolitikerin die Wahl erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Sie will selbst zur Favoritin werden.
Der Präsident des Zwergstaats El Salvador, Nayib Bukele, hebelte unter Berufung auf die Coronakrise die Verfassungsordnung aus. Der 39-jährige Unternehmer lässt 2000 Menschen in staatlichen Gefangenenzentren festgehalten, weil sie sich den strengen Quarantäneregel widersetzten. Das Verfassungsgericht hat die Festnahmen für illegal erklärt. Doch der Präsident ignoriert die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs.

Dem rechtspopulistischen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, wiederum sind die Quarantäneauflagen in mehreren Bundesstaaten seines Landes viel zu streng: Der Brasilianer will, dass Geschäfte und Schulen wieder öffnen. Tatsächlich lenkt Bolsonaro mit diesem Streit aber nur vom Geschäft mit dem Raubbau am Amazonas ab, den er aktiv begünstigt. Allein im März fielen 250 Quadratkilometer Brandrodungen und Motorsägen zum Opfer. Noch nie wurde so viel Urwald vernichtet wie seit Beginn der Coronakrise.

Ch
#2 — vor 1 Monat 2 Wochen
Warum Deutschlands Lockdown falsch ist – und Schweden vieles besser macht
In Europa konnten an Ostern nur die Schweden zur Messe oder zu einer größeren Trauerfeier gehen. Dort sind die Nachtclubs voll, die Geschäfte geöffnet, und die Kinder gehen zur Schule. Obwohl es keinen Lockdown gibt, ist die Zahl der registrierten neuen Corona-Infektionen auch in Schweden rückläufig. Wie ist das zu erklären? Die gemeldeten Neufälle, die den Infektionen verzögert folgen, sind schon seit drei Wochen rückläufig. Die Zahl der Todesfälle wiederum hat ein Plateau erreicht und sinkt nun auch.
Laut Fachliteratur vergehen zwischen Infektion und Tod durchschnittlich 23 Tage, und dieser Umstand ist sehr wichtig. Er bedeutet nämlich, dass die nicht direkt Die gemeldeten Neufälle, die den Infektionen verzögert folgen, sind schon seit drei Wochen rückläufig. Die Zahl der Todesfälle wiederum hat ein Plateau erreicht und sinkt nun auch.
Laut Fachliteratur vergehen zwischen Infektion und Tod durchschnittlich 23 Tage, und dieser Umstand ist sehr wichtig. Er bedeutet nämlich, dass die nicht direkt
beobachtbaren Neuinfektionen ihren Höhepunkt viel früher erreicht haben als die Sterbefälle. Weil die geglättete Kurve der Sterbefälle ihr Maximum am 7. April annahm, wurde das Maximum der Neuinfektionen schon Mitte März erreicht – und damit vor dem Lockdown, der am 23. März beschlossen wurde und am Tag darauf in Kraft trat.
Umgekehrt formuliert kann sich der Lockdown infolge der genannten Verzögerung in den bisherigen Sterberaten noch gar nicht zeigen; er wird frühestens Mitte April sichtbar. Der Rückgang von Neuinfektionen und Sterbefällen hat nichts mit dem Lockdown zu tun, sondern mit dem natürlichen Verlauf jeder Epidemie und natürlich den ergriffenen konventionellen Abwehrmaßnahmen wie Hygiene, Testung und Quarantäne.
Schwedens Zahlen unterstreichen die Richtigkeit dieser These. Auch dort nahm die Zahl der täglichen Todesfälle erst zu, dann sank sie. Trotz des Verzichts auf einen Lockdown: von »exponentiellem« Wachstum bei den Todesfällen keine Spur. Zwar verzeichnet Schweden eine höhere sogenannte Fallsterblichkeit als Deutschland, doch sind seine Krankenhäuser keineswegs überlastet, und darauf kommt es an. Zudem werden in Schweden am Anfang der nächsten Virensaison mehr Menschen immun sein als in Deutschland. Insgesamt erscheint die schwedische Politik sehr rational und unaufgeregt.
In Deutschland stritt man das Problem zunächst ab, behauptete dann, Deutschland sei gut gerüstet und veranlasste den Export von Gesichtsmasken nach China. Am 20. März aber, als das Coronavirus in China und Südkorea längst eingedämmt war, mit Sterblichkeiten von deutlich weniger als 0,001 Prozent der Bevölkerung, wartete das Robert Koch Institut (RKI) plötzlich mit Szenarien auf, die mindestens 300.000 deutsche Todesfälle voraussagten. Drei Tage später folgte der Lockdown-Beschluss. Bisher sind in Deutschland rund 3000 Menschen mit Covid19-Diagnose verstorben, und diese Zahl wird kaum noch wesentlich steigen. Der gigantische Vorhersagefehler des RKI hat, um den zentralen Punkt zu wiederholen, nicht das geringste mit dem Lockdown zu tun, weil dessen Wirkungen erst Mitte April in den Sterberaten sichtbar werden können.
Ursprünglich wollte Deutschland eine Überlastung der Krankenhäuser vermeiden, und am 28. März versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Podcast, der Lockdown könne beendet werden, sobald die Verdopplungszeit (also die Zeit, in der sich die gemeldeten Fälle verdoppeln), in Richtung zehn Tage wachse.
Diese Zielmarke war rasch erreicht, weshalb Kanzleramtschef Helge Braun nachschob, wünschenswert seien zehn bis vierzehn Tage. Inzwischen beträgt die Verdopplungszeit mehr als 30 Tage. Der Lockdown besteht indes weiterhinGegen den Kurswechsel des RKI sprechen drei Gründe
Und warum? Weil RKI und Politik den Indikator gewechselt haben und nunmehr die Reproduktionszahl hervorheben. Anders als die direkt messbare Verdopplungszeit hängt diese aber von unbekannten Faktoren ab; sie ist schlicht nicht überprüfbar.
Eine Reproduktionszahl von Eins bedeutet, dass die gemeldeten Neuinfektionen stabil bleiben. In seiner Pressekonferenz vom 3. April erklärte RKI-Chef Lothar Wieler, der Wert Eins sei erreicht, das »wisse man«. Ohne Aufmerksamkeit zu erregen fuhr Wieler fort, er wolle die Reproduktionszahl künftig auf Werte unter Eins drücken. Damit ersetzte das RKI das Eindämmungsziel durch ein Ausrottungsziel.
Obwohl das Institut nach abermaligem Wechsel der Berechnungsmethode inzwischen wieder höhere Werte meldet, muss man diesem Kurswechsel aus drei Gründen grundsätzlich widersprechen. Erstens ist es nicht sinnvoll, jeden einzelnen Sterbefall infolge einer Coronainfektion zu eliminieren. In Anbetracht unzähliger Verkehrs-, Arbeits- und Freizeitunfälle müsste man dann nämlich alle menschlichen Aktivitäten untersagen.
Zweitens sinkt beim Ausrottungsziel die Zahl derjenigen Personen, die trotz Infektion gesund bleiben und anschließend immun sind. Will man zum Start der nächsten Virensaison einen neuen Lockdown? Jedes Jahr?
Drittens müssen Sterbefälle mit Coronadiagnose gegen andere Sterbefälle aufgerechnet werden, die erst durch den Lockdown entstehen. Wer zählt die Menschen, die wegen verschobener Operationen gestorben sind, obgleich die vorhergesagte »Coronawelle« nie kam und auch nicht kommen wird? Wer zählt die Suizide, die erfahrungsgemäß schon bei leichten Rezessionen zunehmen? Und wer bedenkt, dass eine marode Volkswirtschaft auf Dauer auch im Gesundheitssystem kürzen muss?Zusammengefasst haben Länder wie Schweden, Südkorea oder Taiwan mit ihrem Verzicht auf Lockdowns klug gehandelt. Die dortigen Virologen führten Bevölkerung und Politik mit ruhiger Hand durch die Krise, statt sie durch ständige Kurswechsel zu verunsichern. Das Coronavirus wurde ohne Schaden für Grundrechte und Arbeitsplätze erfolgreich eingedämmt. Deutschland sollte sich diese Politik zum Vorbild nehmen.
Professor Stefan Homburg ist Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen an der Universität Hannover.
Und am Schluss meine ganz persönliche Meinung zu zweifelhaften Organisationen wie WHO oder UNO, die gerade in den letzten Jahrzehnten ein riesiges Geschäft mit Pandemien, Epidemien machten, mit Querverweisen zu Pharmaindustrien, die nur Geld verdienen mit Kranken und nicht gesunden Erdenbürger weltweit. Bill Gates hat ja gerade erst jetzt in unserem Staatsfernsehen unverhohlen uns allen mitgeteilt 7 Milliarden Menschen impfen zu wollen. Freiwillige Impfung? Immer wenn bereits Epidemien abflachten, kam im Nachhinein ein Impfstoff. Damals bei der Schweinegrippeimpfung waren es lediglich 10% die sich haben impfen lassen. Da hätte man doch gern mehr verdienen können, denn der Rest der Impfstoffe landete in der Tonne und musste vom Steuerzahler bezahlt werden. Wir bezahlen das am Ende auch noch alles. Wir lassen uns von Ängsten und wenigen vermeintlichen Experten (RKI) leiten. Alle anderen werden mundtot gemacht. Es ist zum kotzen wie sehr wir dabei zuschauen, wie unsere Demokratie vor die Hunde geht. Als wenn denen das Wohl der Menschen am Herzen liegen würde, wobei schon jahrelang unser Gesundheitssektor ächzt und stöhnt. Pflegekräfte zu wenige, schlecht bezahlt, MRSA Keime u.s.w und jetzt redet man urplötzlich von Systemrelevanten. Es werden von uns viel zu wenige Fragen gestellt und wenn, dann allzu oft die falschen. Impfen lassen im naiven blinden Vertrauen? Installierte Apps. Womöglich jedes Jahr aufs Neue? Wer hat wirklich am Ende mehr davon? nochmal allen zur Erinnerung, Demokratie heißt nicht passiv zuzuschauen und darauf zu warten, das andere das schon machen, sondern im Zweifelsfall seine Stimme zu erheben, so wie es unsere Geschichte zeigt.
Mike
#1 — vor 2 Monaten 2 Wochen
Die realistische, trotzdem maßvoll gehaltene Einschätzung, die dieser Artikel widerspiegelt, finde ich wohltuend.

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