Verursacht Cannabis Psychosen?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Anthony Tran auf Unsplash
Frau schaut traurig aus dem Fenster

Eine Studie im Magazin »The Lancet Psychiatry« besagt, dass Cannabis immer häufiger Psychosen auslöst. Doch warum eigentlich?

 

Über das Rauchen von Gras wird in unserer Gesellschaft immer wieder diskutiert. Soll die Droge legalisiert werden oder weiterhin nur als Medizin auf Rezept für Schwerkranke erlaubt bleiben? Aktuell ist in Deutschland der Besitz von THC-haltigem Cannabis illegal. Die Höhe des tolerierten Besitzes ist je nach Bundesland unterschiedlich – in vielen Ländern liegt sie bei sechs Gramm. In einer YouGov-Umfrage sprachen sich etwa 37 Prozent der Deutschen für den Freizeitkonsum aus – 49 Prozent sind dagegen. 

Doch während Cannabis bei einigen Menschen für Schmerzlinderung sorgt, soll es bei anderen Psychosen verstärken oder sogar auslösen. Was an dieser Behauptung dran ist, wollten diverse Forscher*innen herausfinden. Im Medizinmagazin »The Lancet Psychiatry« sind sie der Frage auf den Grund gegangen. 

Ist das THC verantwortlich? 

Für die Studie wurden 901 freiwillige Frauen und Männer aus Europa und Brasilien befragt, die täglich Cannabis konsumieren und zudem erstmals an einer Psychose erkrankt sind. Anschließend wurden diese Ergebnisse mit denen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Dabei kam heraus, dass Personen, die täglich Cannabis konsumierten, einem dreimal so hohen Risiko ausgesetzt waren, an einer Psychose zu erkranken, als andere, die nur seltener zum Gras greifen. Der Grund dafür soll allerdings nicht nur die Häufigkeit des Konsums an sich sein, sondern auch das im Cannabis enthaltende THC. Marta Di Forti ist Psychiaterin am King’s College und eine der Autorinnen: »Unsere Ergebnisse zeigen, dass Cannabis mit einer hohen THC-Konzentration einen schädlicheren Effekt auf die psychische Gesundheit hat als schwächere Formen des Stoffes«, erklärt sie. 

Der durchschnittliche THC-Gehalt im Cannabisharz schoss von etwa acht auf über 17 Prozent.
 

THC-starkes Cannabis gerät immer mehr in Umlauf

Gestützt werden diese Ergebnisse allerdings nur durch Selbstaussagen von Patienten und weitere Untersuchungen wie dieser hier: In einer Studie des Forschungsteams der University of Bath und des King’s College London konnte herausgefunden werden, dass sich der THC-Gehalt im Cannabis im letzten Jahrzehnt verdoppelt hat. Um diese Erkenntnis zu erlangen, werteten die Forscherinnen und Forscher die Daten der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht aus. Während der durchschnittliche THC-Gehalt im Cannabisharz im Jahr 2006 noch bei etwa acht Prozent lag, schoss er im Jahr 2016 auf über 17 Prozent. Das liege laut Forscherteam vor allem daran, dass Länder  wie Marokko vermehrt THC-starkes Cannabis anbauen und dieses immer mehr in Umlauf gerät. Nur die wenigsten passen ihre Konsumgewohnheiten dementsprechend an. Wer häufiger THC-starke Drogen konsumiere, mache sich im schlimmsten Fall immer stärker abhängig. 

Cannabis & Psychoserisiko: Ein Zusammenhang ist nicht belegt

Und dennoch: Dass Cannabis Psychosen verstärkt oder sogar auslösen kann, ist nicht zweifelsfrei belegt. Alle bisher durchgeführten Forschungsarbeiten kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Denn in vielen Fällen ist unklar, ob die Probanden nicht bereits eine Psychose entwickelten, bevor sie mit dem Konsumieren von Cannabis begonnen hatten. Im Raum steht auch, ob Menschen mit einem hohen Psychoserisiko im Allgemeinen anfälliger für Drogen sein könnten. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Wolfgang Heuer
#1 — vor 4 Wochen
Die Wissenschaft wird nichs (!) wirklich verstehen, solange sie sich nur auf die »untere« Hälfte der Wirklichkeit, auf die Ebene der »Materie« (grobstofflich, bewirkt) beschränkt und nicht auch die »obere« - und wesentlichere - Hälfte der Wirklichkeit, die Ebene des nichtmateriellen Geistes (feinstofflich, bewirkend / erschaffend), angemessen beachtet / einbezieht.

Das Konzept / Prinzip »Wissenschaft« ist eine Folge der im feinstofflichen Bereich sitzenden »Krankheit der Gesellschaft« / »Kollektiven Neurose« und entsprechenden Natur-, Kultur- und Selbst-Entfremdung, die in der zivilisierten Gesellschaft herrscht.

Kollektive Neurosen bestehen aus den individuellen Neurosen der (Mehrheit der) Mitglieder des - jeweiligen, gemeinten - Kollektivs.

Neurose verstehe ich primär als den Zustand zwischen seelischer Verletzung / Traumatisierung und grundlegender, natürlicher, Heilung.
Neurose ist in Wahrheit weitaus mehr als die in manchen Veröffentlichungen beschriebenen auffälligen Symptome.

Der größere Teil der neurotischen Symptome »versteckt« sich in der - angeblichen, vermeintlichen - »Normalität« der zivilisierten Gesellschaft.
Die Krankheit selbst »versteckt« sich im Unbewußten der Befallenen.

Im Zustand der Neurose befindet sich die Seele - die ich als rein energetisches (nichtmaterielles, feinstoffliches) Lebewesen sehe - in einer Art »Rückzugs- / Schutzhaltung«, wodurch ihr Leistungs-Potenzial für den materiellen (grobstofflichen) Aspekt des Menschen nur begrenzt verfügbar ist.

Das Leistungs-Potenzial der Seele umfaßt im Wesentlichen ZWEI Komponenten:

1.: ENERGIE (feinstoffliche Lebens-Energie, Kraft der Liebe und des Friedens, Heilkraft, usw.)
und
2.: INFORMATION (intuitive Erkenntnisse, Eingebungen, Ahnungen, Fügungen, Führung, usw.).

Bei Mangel an diesen Komponenten kann kein wahres Leben / Sein, keine gesunde Entwicklung, stattfinden - so daß befallene Menschen auch nicht wahrhaft (geistig-seelisch) erwachsen werden können.

(Kollektive) Neurose sehe ich als den wesentlichen Ursachenfaktor aller sogenannten »Störungen« / »Krankheiten« einschließlich der Störung(en) der Fähigkeiten zu wahrer Verantwortung und echten, menschlichen, Beziehungen.

Was »Psychosen« genau sind, weiß die Wissenschaft / Psychiatrie - noch - nicht, bzw. kennt die verschiedenen Ursachen- / Auslöser-Faktoren nicht. In den meisten Fällen entsteht eine »Psychose« bei (Kollektiv-)Neurotikern, die dann mit ihrem Unbewußten in näheren Kontakt kommen und dabei mit ihren verdrängten traumatischen Erfahrungen und / oder verdrängten Gefühlen / Bedürfnissen / Konflikten/ »Lebensimpulsen«.

Wie die gegenwärtige Situation / Lage im Bereich »Psychiatrie / Psychotherapie« wahrgenommen wird, weiß ich vor allem aus 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit in diesem Bereich, als Vorstandsmitglied einer Organisation von »Betroffenen« / »Psychiatrie-Erfahrenen«, davon 10 Jahre Sprecher dieses Vereins und zeitversetzt auch 10 Jahre Redakteur seiner Zeitschrift sowie Delegierter zu fast allen infragekommenden Gremien, Planungsgruppen und psychosozialen AGen.

Für wahrhaft Erwachsene (!) - in heilen / wahren Kulturen - ist Drogenkonsum in der Regel keine Gefahr, sondern ermöglicht besseren / leichteren Zugang zum Unbewußten, zur spirituellen (feinstofflichen) Ebene.
Die »Zivilisation« ist jedoch leider keine heile / wahre Kultur mehr und die allermeisten erwachsen scheinenden Menschen sind nicht wirklich / wahrhaft erwachsen. Sagt u.a. auch Erich Fromm.

Die Kollektive Neurose wird die Krankheit zum Untergang sein, wenn wir sie nicht in ihrem wahren Ausmaß erkennen und grundlegend-natürlich heilen.
Auf dem Weg in den Untergang - und zum letztlichen Aussterben - wird es zunehmend »kollektive Psychosen« geben, wie Krieg, Bürgerkrieg, Verfolgung, Terror(ismus), Vertreibung, Genozid, usw..

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