Warum geht es bei Body Positivity so oft um Dicke?

Words by Jana Ahrens
Photography: Omar Lopez auf Unsplash
Dicke Frau mit langem schwarzen Haar sitzt neben dünnem, blonden Mann in einem verwilderten Garten
Die Frage, warum es bei der Suche nach einem positiven Körpergefühl so oft um mehr Akzeptanz für Dicke geht, wird in den sozialen Medien häufig gestellt. Wir haben uns dieser Frage angenommen und mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey die Frage gestellt: „Wurde Ihnen schon einmal gesagt, dass sie zu dick oder zu dünn seien?“ Die Ergebnisse dieser Umfrage sind teilweise überraschend und teilweise äußerst bestätigend.
 

Die Bewegung der Body Positivity hat sich inzwischen über die Social-Media-Plattformen hinaus eine breite Öffentlichkeit verschafft. Es gibt Bücher zum Thema, Vorträge und endlich auch ein breiteres Mode-Angebot für Menschen, die Körperformen abseits der Norm haben. Und doch wird von vielen die Frage gestellt: Warum geht es bei der Bewegung besonders oft um Menschen, die dicker sind, als es das aktuelle Schönheitsideal noch diktiert? Unsere Umfrage mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey gibt – zumindest in der binären Gegenüberstellung von dick und dünn – eine sehr klare Antwort.

Bei einer repräsentativen Umfrage, die deutschlandweit vom 28.03.2019 bis zum 08.04.2019 lief, gaben 44,5 % der Teilnehmer*innen an, dass ihnen schon einmal gesagt worden sei, sie seien zu dick. Nur 14,1 % der Teilnehmer*innen hatten schon einmal gesagt bekommen, sie seien zu dünn.

Das heißt, dass die Kritik an Menschen, die mit einem höheren Körpergewicht vom Schönheitsideal abweichen, noch immer massiv höher ist als die Kritik an denen, die sehr dünn sind. Deshalb geht es auch bei der Body Positivity viel häufiger darum, für Akzeptanz von Dickeren zu sorgen.

Mehr Menschen wurden für ihren Körper kritisiert als nicht

Einen minimalen Hoffnungsschimmer bietet der Prozentsatz derer, die weder in die eine noch in die andere Richtung für ihr Körpergewicht kritisiert wurden. Das sind immerhin 37,5 %. Allerdings sind das 7 % weniger als die, die schon einmal einen Kommentar zu ihrem angeblichen „Dicksein“ einstecken mussten. Allein dieser Unterschied von 7 % zeigt: Wenn es besonders viele Menschen gibt, die sich in der Body-Positivity-Bewegung für die Akzeptanz von Dicken einsetzen, dann hat das einen guten Grund.

 

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern

Dabei bleibt jedoch zu bemerken, dass es überdurchschnittlich viele Frauen sind, die sich in dieser Bewegung engagieren. Einerseits leuchtet das ein: Bei einem Blick auf die typische Werbeformate, die Filmindustrie und die Musikbranche wird sofort klar, dass das Bild der einflussreichen, schlanken Frau sehr viel dominanter ist als das Bild des einflussreichen, schlanken Mannes. Klar, das gibt es schon auch. Aber ein bisschen Übergewicht wird Männern in den Medien noch immer leichter verziehen als Frauen.

 

Trotzdem zeigt unsere Umfrage, dass 6% mehr Männer als Frauen für ihr angebliches „Dicksein“ kritisiert. Daraus ergibt sich die Frage: Ist es vielleicht einfacher, so eine Kritik wegzustecken, wenn es mehr einflussreiche Rollenvorbilder gibt, die ebenfalls eine breitere Statur und vielleicht einen kleinen Bauch haben? Sollte dies der Fall sein, ist die Bewegung der Body Positivity, die uns neue weibliche Rollenvorbilder vermittelt, auf dem richtigen Weg.  

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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